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Schwere Vorwürfe wegen Arbeitsbedingungen bei Samsung

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Der südkoreanische Konzern Samsung sieht sich weiterhin Vorwürfen ausgesetzt, Schuld am Krebstod von Dutzenden seiner Mitarbeiter zu tragen. Erneut diskutiert werden die Anschuldigungen im Zusammenhang mit der Vergabe des "Public Eye People's Award 2012" Ende vergangener Woche. Der Schmähpreis wird jährlich parallel zur Weltwirtschaftskonferenz in Davos von Greenpeace und der entwicklungspolitischen Organisation Erklärung von Bern (EvB) an die "schlimmsten Unternehmen der Welt" vergeben. Zehntausende Internetnutzer hatten darüber abgestimmt und Samsung auf Platz drei gewählt. Auf dem ersten Platz landete das Bergbauunternehmen Vale, das im brasilianischen Regenwald einen Staudamm baut. Platz zwei ging an Tepco, den Betreiber des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima.

Die Public Eye-Veranstalter werfen Samsung vor, in seinen Werken verbotene hochgiftige Substanzen zu verwenden, ohne seine Mitarbeiter zu informieren oder zu schützen. Deswegen seien mindestens 140 Arbeiter an Krebs erkrankt und mindestens 50 gestorben. Trotz klarer Beweislage leugne Samsung seine Verantwortung und habe die Kranken beziehungsweise die Verstorben öffentlich diskreditiert. Weiterhin werfen sie Samsung vor, dass in einer Fabrik des Unternehmens innerhalb eines halben Jahres 46mal giftiges Gas entwichen sei. Außerdem soll in einer Stichprobe in insgesamt sechs Fabriken der Einsatz des krebserregenden Lösungsmittels Benzol festgestellt worden sein.

Heise Online hat Samsung um eine Stellungnahme zu diesen Vorwürfen gebeten. Kurz vor Ablauf der eingeräumten Frist am heutigen Dienstag wies der koreanische Konzern die Vorwürfe in allgemeiner Form zurück, ohne auf die konkreten Fragen einzugehen. Samsung versicherte, man nehme die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten sehr ernst. Mehrere wissenschaftliche Studien hätten bestätigt, dass es keine Verbindung gebe zwischen dem Arbeitsplatz und den Krankheiten der Beschäftigten.

Werbung für den Schmähpreis

(Bild: Public Eye Award)

Samsung war von der Organisation Supporters for the Health and Right of People in Semiconductor Industry für den Schmähpreis nominiert worden. Deren Forderungen konzentrierten sich auf eine Ende der Verwendung krebserregender Stoffe in der Produktion. Auch verlangt sie mehr Transparenz in dem Unternehmen, das in Südkorea einen beispiellosen Einfluss hat. Kritische Berichterstattung ist deshalb selten. Außerdem wird die strikte "Keine-Gewerkschaft-Politik" angeprangert, die eine Verbesserung der Zustände behindere.

Bereits Mitte 2011 hatte die Diskussion über die Krebserkrankungen von Samsung-Mitarbeitern in Südkorea hohe Wellen geschlagen. Im Juni hatte ein Gericht in der Hauptstadt Seoul Verbindungen zwischen den Arbeitsbedingungen und der Leukämie-Erkrankung zweier Mitarbeiter bestätigt. Auch wenn die beiden Arbeiter den gefährlichen Stoffen nur in erlaubten Mengen ausgesetzt waren, so sei es möglich, dass der lange Zeitraum von einem Jahr und acht Monaten die Leukämie verursacht habe. Deswegen müssten Entschädigungen an ihre Angehörigen gezahlt werden. Gleichzeitig wies das Gericht jedoch die Klagen von vier anderen Mitarbeitern zurück.

Schon 2010 gab es Proteste gegen die Verwendung von Chemikalien bei Samsung

(Bild: Greenpeace)

Knapp einen Monat nach dem Urteil ließ Samsung einige Ergebnisse einer Studie veröffentlichen, in der die Fälle genau dieser sechs Mitarbeiter untersucht worden waren. Die von Samsung finanzierte Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Arbeitsbedingungen in Samsungs Fabriken "akzeptierten Standards" entsprächen. Ein Zusammenhang mit den Erkrankungen wurde dabei nicht festgestellt. Auf diese Studie beruft sich Samsung seitdem immer wieder. Eine komplette Veröffentlichung lehnte der Konzern jedoch ab, da die genannten Substanzen Betriebsgeheimnis seien.

Laut übereinstimmenden Zeitungsberichten erklärte sich Samsung im August dann aber doch bereit, die medizinische Behandlung erkrankter (Ex-)Mitarbeiter finanziell zu unterstützen. Dafür werden laut der Tageszeitung The Hankyoreh jeweils bis zu 100 Millionen Won (rund 68.000 Euro) zur Verfügung gestellt. Hinterbliebene, die Verwandte an Krebs verloren haben, sollen demnach mit der selben Summe unterstützt werden. Betroffenenverbände kritisierten jedoch, dass die Kriterien für die Anerkennung als Opfer zu restriktiv seien. Außerdem sei das Datum der Diagnose entscheidend, nicht das der Erkrankung. Ehemalige Mitarbeiter könnten sie eventuell zu spät erhalten, um noch Anspruch auf Entschädigung zu haben. (mho)