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Schwere Vorwürfe wegen Arbeitsbedingungen bei chinesischen Dell-Zulieferern

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Entwicklungspolitische Aktivisten werfen dem US-amerikanischen Computerhersteller Dell Missstände in dessen chinesischen Zulieferbetrieben vor. "Neue Recherchen belegen, dass die Fabrikarbeiter in den chinesischen Provinzen Guangdong und Jiangsu bis zu 74 Stunden pro Woche arbeiten. Sie leisten bis zu 136 Überstunden pro Monat, obwohl laut chinesischem Arbeitsrecht nur 40 Stunden Normalarbeitszeit plus höchstens neun Überstunden pro Woche gestattet sind. Die Tages- und Nachtdienste werden willkürlich vom Arbeitgeber eingeteilt, und in Spitzenzeiten ist eine 7-Tage-Woche die Regel", erläutert Andrea Ben Lassoued, Leiterin der Clean-IT-Kampagne der österreichischen Nichtregierungsorganisation (NGO) Südwind. Sie bezieht sich dabei auf einen Bericht der Clean-IT-Partnerorganisation DanWatch.

Psychischer Druck

Die Arbeiter seien bei den Montage- und Schweißarbeiten an den Leiterplatten einer starken Rauchgbelastung ausgesetzt und erhielten keine angemessene Schutzausrüstung. Die Arbeit sei anstrengend wegen der immer gleichen Bewegungen und der überlangen Arbeitszeiten. Auch würden die Arbeiter durch verbale Übergriffe psychisch unter Druck gesetzt, obwohl dies laut Dells Verhaltenskodex und den Vorgaben der Electronic Industry Citizen Coalition (EICC), der Dell angehört, verboten ist.

Arbeitsbedingungen bei chinesischen Dell-Zulieferern (5 Bilder)

Innenansicht des Arbeiterwohnheims Nr. 9 der Mingshuo-Fabrik (Bild: DanWatch, China Labor Watch)

Untersucht wurden vier Fabriken: Mingshuo in Suzhou in der Provinz Jiangsu, Hipro Electronics und Taida Electronics in Dongguan in der Provinz Guangdong sowie MSI in Shenzhen, ebenfalls in der Provinz Guangdong. Neben den Arbeitsbedingungen wurden unter anderem auch die kärglichen Unterbringungen der Arbeiter sowie Diskriminiserung bei ihrer Rekrutierung beleuchtet.

"Europäische Steuergelder finanzieren Ausbeutung"

Dell stand bei den Recherchen zu dem Bericht im Vordergrund, weil das Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen in Europa eine "maßgebliche Marktstellung" einnehme. Die Ausbeutung in China werde gewissermaßen mit europäischen Steuergeldern finanziert. Dell sei eines von vielen IT-Firmen, die wegen Arbeitsrechtsverletzungen kritisiert wurden und dennoch wenig getan hätten, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Bereits seit 2004 hätten NGOs von Fällen schwerer Arbeitsrechtsverletzungen in der Zulieferkette von Dell berichtet. Seinerzeit hatte sich die britische Organisation CAFOD die schlechten Arbeitsbedingungen bei der PC-Produktion in Ländern wie China und Mexiko vorgeknöpft.

Dell habe früher schon angekündigt, die Löhne der Fabrikarbeiter erhöhen und die Überstunden verringern zu wollen, teilt Clean-IT mit. "Nach diesen neuerlich aufgedeckten Missständen fordert Clean-IT Dell auf, sich endlich aktiv dafür einzusetzen, dass die Arbeitsbedingungen in den Zulieferbetrieben sowohl den Gesetzen vor Ort und den Standards des EICC, als auch dem Verhaltenskodex von Dell selber entsprechen", sagte Ben Lassoued. (anw)

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