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Technology Review

Schwerer Magnetsturm droht

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Derzeit ist die Sonne ungewöhnlich aktiv – was ein wenig überrascht, denn das Minimum des elfjährigen Aktivitätszyklus soll nach neuesten Vorhersagen im Mai 2007 eintreten. Nach einem heftigen Röntgenstrahlungsausbruch am Mittwoch der höchsten Klasse X und einem daraus folgenden mäßigen Protonenereignis der Klasse 2 auf der fünfteiligen Skala der US-amerikanischen NOAA erwarten Experten nun mit dem Eintreffen der Plasma-Schockwelle aus diesem Ausbruch einen heftigen Magnetsturm. Dieser soll in der zweiten Tageshälfte des heutigen Donnerstag einsetzen. Sichtbare Auswirkungen sind Polarlichter, die bei klarem und dunklem Himmel abseits von Großstädten auch in Mitteleuropa zu sehen sein können, wenn der Sturm sehr heftig ausfällt. Die Messwerte von Satelliten lassen sich in Echtzeit im Internet verfolgen.

Solche Ausbrüche auf der Sonne stören mitunter die Satellitenkommunikation und Navigationssysteme. Schnelle Änderungen des Erdmagnetfelds bei Magnetstürmen können durch Induktion in Leitungsnetze zu Stromausfällen führen. Magnetstürme und Protonenereignisse haben in polaren Breiten in der Regel einen kompletten Ausfall von Kurzwellenverbindungen über Reflexionen an der Ionosphäre zur Folge. Zuletzt war bei einem schweren Magnetsturm im Oktober 2003 im schwedischen Malmö die Stromversorgung eine Stunde lang zusammengebrochen, in Japan verlor die dortige Raumfahrtbehörde den Kontakt zu zwei Satelliten.

Begonnen hatte das überraschende Feuerwerk am 5. Dezember; die Fleckengruppe 10930 drehte sich über den östlichen Sonnenrand ins Blickfeld der Erde und produzierte unmittelbar darauf in dichter Folge zwei Röntgenflares der höchsten Klasse X, gefolgt von einem starken Protonenereignis der Klasse 3. Die dabei ausgestoßene Plasmawolke verfehlte allerdings die Erde größtenteils, sodass es nicht zu einem Magnetsturm kam. Danach beruhigte sich die Aktivität in der Fleckengruppe, während sie mit der Rotation der Sonne zur Mitte der sichtbaren Scheibe wanderte. Der neuerliche Ausbruch kam dann überraschend, nachdem in den Vorhersagen die Wahrscheinlichkeit für schwere Ausbrüche mit gerade einmal 10 Prozent beziffert worden war.

Die Fleckengruppe 10930 wird in den kommenden Tagen zum Westrand der Sonne wandern und dann für rund zwei Wochen von der Erde aus nicht zu sehen sein. Weitere Ausbrüche sind zwar zu erwarten, mit jedem Tag sinkt aber durch den zunehmenden Winkel der Fleckengruppe zur Position der Erde die Wahrscheinlichkeit, dass diese von der Plasmawolke eines Ausbruchs erfasst wird. Möglich sind aber weiterhin heftige Röntenstrahlungsausbrüche und Protonenereignisse.

Auf der Erdoberfläche ist die Strahlung nicht zu messen, da die Röntgen- und Teilchenstrahlung komplett von der Erdatmosphäre absorbiert wird, daher werden für die Messung ausschließlich Satelliten eingesetzt. Das Auftreffen von Sonnenplasma lässt sich auf der Erde durch die Messung des Erdmagnetfelds mit empfindlichen Instrumenten nur indirekt feststellen, bei Extremereignissen wird indessen sogar eine Kompassnadel abgelenkt. Satelliten können Dichte, Geschwindigkeit und magnetische Ausrichtung des Sonnenwinds direkt messen, allerdings versagen die Sensoren während starker Protonenereignisse. (uma)