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Screensaver bei Debian: Software mit Verfallsdatum

Wer ein aktuelles Debian mit grafischem Desktop benutzt, erhält dieser Tage eine Warnung, dass der Screensaver sehr alt sei. Dahinter verbirgt sich ein Problem, das über den konkreten Fall hinausweist.

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Software mit Verfallsdatum

Auch Software hat nur eine begrenzte Haltbarkeit. Natürlich gehen bei Software nicht, wie bei einer Flugzeugturbine, Teile aufgrund von Verschleiß kaputt. Aber veränderte Einsatzbedingungen fördern bislang unentdeckte Bugs zutage; neu entdeckte Sicherheitslücken machen ein Programm von heute auf morgen zu einem Einfallstor für Schädlinge; und veränderte Betriebsumgebungen führen zu Fehlfunktionen.

Allerdings geht Software, anders als eine Turbine, meist nicht von heute auf morgen kaputt, wenn sie nicht gewartet – sprich: regelmäßig aktualisiert – wird. Stattdessen rutscht sie mit zunehmendem Alter immer mehr in einen Zustand des mehr oder weniger Funktionierens: "Läuft ja eigentlich, bloß ...". Besonders fatal ist das bei neu entdeckten Sicherheitslücken, schließlich bemerkt man das abgelaufene Haltbarkeitsdatum dann erst, wenn der Trojaner den Rechner übernommen und die Fotosammlung verschlüsselt hat.

Für Entwickler bringt die Tendenz vieler Nutzer, Software über ihr Verfallsdatum hinaus einzusetzen, eine Menge Probleme. Sie erhalten Bugreports für Fehler, die (in neueren Programmversionen) längst repariert sind. Und sie werden womöglich für Sicherheitslücken verantwortlich gemacht, die sie längst gefixt haben.

Windows-Anwender sind häufig mit veralteter Software unterwegs, schließlich verfügt das Microsoft-Betriebssystem über keinen zentralen Update-Mechanismus für die installierten Programme. Aber auch in der Linux-Welt, wo eine Softwareverwaltung eigentlich alle Anwendungen aktuell halten sollte, gibt es Probleme: Open-Source-Software räumt ihren Nutzern besonders viele Freiheiten ein – darunter auch die Freiheit, veraltete Programmversionen zu verteilen.

Jamie Zawinski, Programmierer des viel genutzten Programms Xscreensaver, hat dafür eine pragmatische Lösung gefunden. Sobald die Software älter als 18 Monate ist, warnt sie vor sich selbst: "This version of xscreensaver ist VERY OLD". Verbunden ist das mit dem Hinweis, dass es eigentlich Sache des Linux-Distributors wäre, für ein Update zu sorgen.

In einem erklärenden Blog-Beitrag (und im Quelltext von Xscreensaver) erläutert Zawinski die Gründe für den Hinweis – und beklagt die Reaktion der Debian-Community: Dort fordert ein Bug-Report von Anfang April dazu auf, die Warnmeldung aus Xscreensaver zu entfernen. Klar, Xscreensaver ist Open Source unter BSD-Lizenz, und der Paket-Maintainer darf eine veränderte Version von Xscreensaver erstellen und über die Debian-Distribution verteilen.

Zawinski wünscht sich allerdings einen anderen Umgang mit dem Problem: Entweder sollten Distributoren eine halbwegs aktuelle Version seiner Software vertreiben – oder aber Xscreensaver gar nicht mehr verwenden. Die derzeitige Situation mache alle unglücklich: Die Entwickler müssten sich mit Beschwerden wegen Fehlern rumärgern, die längst repariert sind, und Anwender wüssten nicht, wie sie eine neuere Version der Software in ihre Distribution einbauen können. (odi)

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