Second Life: Programm ermöglicht virtuelles Klauen

Mit der Software CopyBot lassen sich ohne Einverständnis der Besitzer Kopien ihrer virtuellen Besitztümer anlegen.

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Von
  • Stefan Porteck

In dem offiziellen Blog der virtuellen Online-Welt Second Life schlagen derzeit die Wogen der Empörung hoch. Auf zwei Blog-Einträge der Second-Life-Macher sammeln sich mittlerweile rund 1.200 Kommentare der Nutzergemeinde. Stein des Anstoßes ist ein Programm namens CopyBot.

Mit CopyBot können Nutzer der virtuellen Welt beliebige Kopien der Gegenstände von Second Life anlegen – und zwar ohne das Einverständnis ihrer Eigentümer. Entsprechend erbost reagieren Nutzer und Macher des Spieles. Die Entwickler betonen, dass das unautorisierte Anfertigen von Duplikaten gegen die Nutzungsregeln von Second Life verstößt. Nach diesen Bestimmungen können Nutzer "einen vollständigen Schutz ihres geistigen Eigentums hinsichtlich der von ihnen erstellten digitalen Inhalte in Anspruch zu nehmen". Bei Verstößen will man den entsprechenden Nutzer-Account sperren.

Der Programmierer von CopyBot bezeichnet unter dem Synonym "Baba Yamamoto" seine Software als Debugging-Tool. In einem Beitrag im Second-Life-Blog ließ er zudem verlauten, dass CopyBot keinen Bug, sondern vielmehr Lücke im Design nutze, die die Second-Life-Entwickler nicht schließen könnten. Sein Programm nutze die Daten des frei übertragenen Protokoll-Streams des Spiels – aber in einer anderen Art als vorgesehen. Mittlerweile veröffentlichten die Second-Life-Entwickler mehrere Ideen, wie man die Besitztümer vor virtuellem Diebstahl schützen könnte, beispielsweise durch die Implementierung von Metadaten.

Das unerwünschte Kopieren ist nicht nur ärgerlich für die Besitzer selbst erschaffener Güter, sondern könnte auch das Wirtschaftssystem des stetig wachsenden "Metaversums" durcheinander bringen: In Second Life lassen sich Waren und Dienstleistungen kaufen und verkaufen. Gezahlt wird mit einer eigenen Währung – den Linden-Dollar. Nutzer, die sich stattdessen ihre Habseligkeiten zusammenkopieren, dürften sich damit wenig virtuelle Freunde machen. (spo)