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Selbst Tote unterstützen Microsoft

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Der Justizminster des US-Bundesstaates Utah, Mark Shurtleff, hat mindestens zwei Protestbriefe gegen den Microsoft-Prozess bekommen, deren angebliche Verfasser bereits tot waren. Nach einem Bericht der US-Tageszeitung Seattle Times sind die Briefe im Rahmen einer Kampagne der Americans for Technology Leadership (ATL) verschickt worden – seit dem Frühjahr sind etwa 400 ähnliche Briefe beim Justizminister von Utah eingetrudelt. Die Angestellten des Justizministers wurden allerdings misstrauisch, als sie entdeckten, dass bestimmte Sätze immer wieder auftauchten und einige Absende-Adressen ungültig waren.

Microsoft selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Nach eigenen Angaben reagiere man lediglich auf die Anti-Microsoft-Kampagnen der Mitbewerber wie unter anderem AOL: "Es gibt bereits seit einigen Jahren eine politische Kampagne der Mitbewerber gegen unser Unternehmen, etwa von AOL, Oracle, Sun Microsystems und deren Industrieverbände", rechtfertigte Microsoft-Sprecher Vivek Varma die Strategie seines Unternehmens.

Detaillierte Fragen der Seattle Times zu der Lobby-Kampagne verwies Redmond allerdings an die ATL. Die zum Teil von Microsoft finanzierte Organisation erklärte zunächst, sie würde eine telefonische Umfrage zu dem Anti-Trust-Verfahren durchführen. Wer sich kritisch zu dem Anti-Trust-Verfahren geäußert hätte würde dazu ermutigt, Protestbriefe zu schreiben – es sei gängige Praxis, dass Interessierte vorbereitete und bereits adressierte Briefe zugeschickt bekämen. Zudem gebe die Organisation auch Formulierungsvorschläge, erklärte ATL Executive Director Jim Pendergeist gegenüber der Zeitung. Auf die Frage, warum einige Sätze identisch seien, gab Pendergeist zu, dass die ATL alle Briefe selbst geschrieben hatte.

Auch in anderen US-Bundesstaaten haben Microsoft-Lobbygruppen versucht, mit fingierten Briefen Pro-Microsoft-Stimmung zu verbreiten. Der Justizminister von Minnesota, Mike Hatch, bekam nach eigenen Angaben 300 solcher Zuschriften. Aus seiner Sicht hindern Microsoft nicht einmal ethische Grenzen an der Durchführung der Aktion, sagte er mit Blick auf die fingierten Briefe der bereits verstorbenen Bürger von Utah. (daa)

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