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Selbstmord nach SchülerVZ-Datenklau: VZnet in Erklärungsnot

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Ein Bericht in der kommenden Spiegel-Ausgabe wirft Fragen zum Vorgehen des SchülerVZ-Betreibers VZnet und der Justiz im Zusammenhang mit der Festnahme des SchülerVZ-Hackers auf, der sich in der Untersuchungshaft das Leben nahm . So hatten VZnet und der 20-jährige mehrere Tage lang über die Rückgabe der Daten verhandelt, nachdem das Unternehmen von dem Datenklau informiert worden war.

Nach dem Spiegel-Bericht hat der Technikchef von VZnet den Hacker per Chat kontaktiert. Laut dem Chat-Protokoll, das dem Spiegel offenbar vorliegt, habe die Firma selbst mehrfach das Thema Geld angesprochen. Wenn man es schaffe, die Daten zu lokalisieren und zu löschen, so dürfe "uns das auch was kosten“. An anderer Stelle schrieb der Technikchef "du – und andere können bei uns rumhacken wie sie wollen. ich bezahl euch sogar gerne dafür!“ Unter einer Bedingung: "wenn ich jemanden dafür bezahle, möchte ich, dass das nicht public wird“. Auf die Frage, was der junge Mann mit dem Datensammeln erreichen wolle, antwortete er: "gar nichts, das war’n just4fun projekt“. Dies entspricht auch der Darstellung des Verteidigers, demzufolge es ihm nicht ums Geld gegangen sei.

In einem Chat am 17. Oktober sei der VZnet-Mann dann zur Sache gekommen: "also, was ist sache. kooperation oder krieg?“ Sein Gegenüber entschied sich anscheinend für Kooperation. Er nannte seinen Namen und seine Anschrift und willigte ein, in die Berliner VZnet-Zentrale zu kommen. Am späten Abend des nächsten Tages erreichte er die Geschäftsräume, die Taxirechnung von 530 Euro bezahlte das Unternehmen.

Über den Verlauf der weiteren Verhandlungen gebe es unterschiedliche Versionen. Der VZnet-Technikchef habe der Polizei gegenüber ausgesagt, dass der Hacker sofort 20.000 Euro verlangt habe. Der Erlanger dagegen erklärte, er sein von den VZnet-Mitarbeitern gefragt worden, ob es ihm um Geld oder um Ruhm gehe. "Wenn die mir Geld anbieten“, soll er der Polizei gegenüber ausgesagt haben, "nehme ich es gern an.“ Der Verteidiger des Hackers hält es bei dieser Sachlage für unwahrscheinlich, dass sein Mandant wegen versuchter Erpressung verurteilt worden wäre.

Nach dem Spiegel-Bericht sei aktenkundig gewesen, dass der Hacker unter einer "kombinierten Persönlichkeitsstörung" litt, was Fragen zu seiner Unterbringung in einer Einzelzelle aufwirft. In einer Sitzung des Rechtsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus hatte die Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) gesagt, dass der Verhaftete keine Hinweise auf etwaige Selbsttötungsabsichten gegeben, sondern einen "lockeren und aufgeschlossenen Eindruck" gemacht habe.

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(jo)