Semantik (nicht nur) für das Militär

Auf der ESTC in Wien, Europas führender Konferenz über semantische Technologie, dominieren die Industrie-Vertreter über die akademische Forschung.

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Die zunehmende Verbreitung von semantischen Verfahren lässt bei den Teilnehmern der zweiten European Semantic Technology Conference (ESTC2008) Aufbruchstimmung aufkommen. Die Konferenz wurde in Wien eröffnet. John Davies von der British Telecom sieht als erste Anwender ("early adopters") Lebenswissenschaften, die Telekommunikations-Branche und den Finanzsektor. Ivan Herman vom World Wide Web Consortium (W3C) nannte die Medikamentenforschung, das Gesundheitswesen und den Verteidigungsbereich als jene Gebiete, in denen sich semantische Anwendungen als besonders wertvoll erwiesen. "Verteidigung ist sicher ein großes Gebiet", stimmte auch Davies zu.

Aber auch Normalsterbliche sollen laut Davies von semantischen Anwendungen profitieren. Seiner Einschätzung nach wird es in ein bis drei Jahren wesentlich einfacher sein, einen Urlaub im Internet zu buchen. Anstatt zahlreiche Webseiten persönlich durchstöbern zu müssen, werde der Reisewillige nur Parameter wie gewünschtes Klima und bevorzugte Hotelkategorie angeben müssen. Ein Computer werde dann selbstständig im Web nach passenden Angeboten suchen. Herman ist sicher, dass heute noch manuell durchzuführende Abfragen verschiedener Datenbanken mit jeweils unterschiedlicher Struktur in Zukunft automatisiert erfolgen könnten. Allerdings dürften semantische Techniken nicht mit künstlicher Intelligenz verwechselt werden.

Mills Davis vom Washingtoner Consulter Project 10X verlieh seiner Freude über die zunehmende Resonanz bei Medien und Beratungsunternehmen Ausdruck. Die Semantik-Industrie werde zum Mainstream, Standards seien verabschiedet worden und bereits mehr als 300 Unternehmen in semantische Technologien involviert. Der Umsatz der Branche werde seiner Studie zufolge 2010 zehn Milliarden Dollar und 2015 rund 30 bis 50 Milliarden Dollar erreichen.

Die Konferenz wird vom Semantic Technology Institute International (STI) sowie der Österreichischen Computergesellschaft (OCG) ausgerichtet und zählt 210 Teilnehmer aus 24 Ländern. Die Organisatoren bezeichnen die Veranstaltung als die "größte europäische Konferenz zum Thema Anwendung der semantischen Technologie in Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Industrie". Gegenüber der ersten Auflage im Vorjahr ist der Anteil der Teilnehmer aus wissenschaftlichen Einrichtungen von der Hälfte auf ein Drittel gesunken; die Industrievertreter stellen nun zwei Drittel der Teilnehmer und über vier Fünftel der Vortragenden. Zu den Grundsatzrednern zählen Vertreter von Yahoo, SAP, Thomson Reuters und dem Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz.

Zu den auf der ESTC2008 vorgestellten Web-3.0-Anwendungen zählt auch der Service Finder, der voraussichtlich im November online gehen soll. Der Dienst soll Internet-Services nicht nur selbstständig aufstöbern, sondern auch allerlei Daten über die gefundenen Angebote sammeln wie etwa Preise und FAQ-Informationen. Nutzer des Service Finder sollen ihrerseits Feedback geben können, wenn sich die semantische Technologie irrt und falsche oder unbrauchbare Angaben bereitstellt. (Daniel AJ Sokolov) / (heb)