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Semantisches Web auf dem Vormarsch

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Anwendungen mit Semantic-Web-Techniken gewinnen in der Geschäftswelt an Akzeptanz. Eine Voraussetzung dazu ist die Reduzierung händischer Vorarbeiten bei der Annotierung sowie einfachere Werkzeuge und Beschreibungssprachen. Das war die zentrale Botschaft der Tagung des deutsch-österreichischen Büros des W3C, der Österreichischen Computer Gesellschaft und der AARIT in Wien.

Auf eine Abgrenzung gegenüber Künstlicher Intelligenz legte Ivan Herman Wert, Mitglied der Semantic Web Group des W3C: "RDF und OWL sind relativ einfach, sie können Beziehungen zwischen Metadaten abbilden und diese so strukturieren, dass es für 80 Prozent aller Bedürfnisse reicht." Handlungsbedarf sieht er noch beim Reasoning in Echtzeit sowie bei Fuzzy Logic. "Das kann das Semantic Web noch nicht, vielleicht ist das später möglich," erklärte Herman.

Erste Ansätze zur Integration von Fuzzy Logic zeigte Peter Vojtas von der Universität Pavla Jozefa Safarika aus dem slowakischen Kosice. Er kombiniert RDF-Beschreibungen mit Verfahren, die Vektoren einsetzen und mit metrischen Verfahren Nähe-Distanz-Beziehungen berücksichtigen. Insgesamt wird RDF als Beschreibung von Metadaten mittlerweile relativ breit eingesetzt, meinte Herman. Seine Beispiele: Vodafone betreibt ein großes Portal für Klingeltöne, das seit dem Betrieb mit RDF deutlich schneller arbeite und deshalb mehr Umsatz generiere; IBM konzentriere sich auf den Bereich Life Sciences und habe Semantic-Web-basierte Anwendungen von der Datenspeicherung bis zur Suche entwickelt.

Häufig erfolgt die Annotierung mit RDF noch in Handarbeit. Diese Arbeit lässt sich mit einem Wrapper automatisieren, der von einer Ausgründung der TU Wien entwickelt worden ist. Der Lixto Wrapper scannt HTML-Seiten und definiert Beziehungen zwischen den dort befindlichen Objekten, sodass diese sich automatisiert per RDF annotieren lassen. Manuelle Vorarbeit ist derzeit noch bei der Zuweisung der Kriterien erforderlich. "Hier arbeiten wir an einer Automatisierung", erklärt Professor Georg Gottlob von der TU Wien, der das Produkt mitentwickelt hat. So können etwa bei einem Hotelportal Anwender des Wrappers den Namen eines Restaurants anklicken und in einem Beziehungsbaum als Unterkategorie des Begriffs Restaurant anlegen. Anschließend erkennt das Produkt auch die Namen der anderen Restaurants in der Liste. Das funktioniert auch für Bereiche wie Telefonnummer oder Adresse. "Eine Verbindung mit Ontologien ist noch in Arbeit", verspricht Gottlob weiter.

Mit Ontologien wird im Semantic Web versucht, Wissen zu kategorisieren und regelbasiert abzubilden. Damit lassen sich Textinformationen, aber auch Organisationsstrukturen repräsentieren. Auch für Bilder könne das Sinn haben, betont Peter Vojnisek, Cheftechniker des ungarischen Semantic-Web-Experten Progos. Beispielsweise verwendet ein Versicherer Metadaten, um Unfallbilder besser statistisch auswerten zu können. Mit den Semantic-Web-Tools lassen sich nach seinen Erfahrungen Prototypen schneller erzeugen. Dennoch sieht er noch einige Klippen: Es gebe zu wenig gut ausgebildete Experten, Entwicklungswerkzeuge seien schwer zu beurteilen, und mehrsprachige Anwendungen stellen derzeit noch ein Problem dar. Außerdem gebe es für viele Bereiche noch keine Ontologien.

Neben automatisierten Verfahren arbeiten Forscher derzeit daran, die Erstellung von Ontologien zu vereinfachen. Ein Ansatz ist das Simple Knowledge: Es sei "Semantic Web light", so Thomas Baker, im Vorstand der Dublin Core Metadata Initiative für Spezifikationen und Dokumentation verantwortlich. Die Präzision, die OWL biete, sei nicht immer notwendig. (Pia Grund-Ludwig) / (Pia Grund-Ludwig) / (heb)

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