Semantisches Web im Kommen

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Im vergangenen Jahr hat das Semantic Web in mehrfacher Hinsicht einen Durchbruch verzeichnet. Das war die Grundthese von Ora Lassila, Forschungschef bei Nokia, und Professor James Hendler auf der Eröffnungsveranstaltung der Semantics 2006 in Wien. Die beiden haben zusammen mit Web-Erfinder Tim Berners-Lee im Jahr 2001 im Scientific American den Text veröffentlicht, in dem zum ersten Mal von einem semantischen Netz die Rede war. Im Hinblick auf die in den letzten Jahren herangereiften Standards wie das Ressource Description Framework (RDF) zur Beschreibung von Inhalten oder die Web Ontology Language (OWL) zur Erstellung von Wissensnetzwerken meint Hendler: "Die Technologien haben sich mittlerweile vor allem in der Integration unterschiedlicher Plattformen bewährt" – und überdies sind sie kompatibel zu den verbreiteten Web-Technologien.

Der Tenor der Experten: Das semantische Web habe in diesem Jahr breite Unterstützung durch kleinere Unternehmen wie Siderean, Siberlogic oder Ontology Works gefunden. Zuspruch gibt es aber auch bei den Großen der Branche. Oracle hat bereits im vergangenen Jahr die Unterstützung von RDF angekündigt, mittlerweile unterstützen die Datenbanken auch OWL. Auch Adobe, Cisco, HP, IBM, Nokia oder Sun sind mittlerweile vom Nutzen überzeugt. Nicht zuletzt existiert ein breites Angebot von Open-Source-Produkten.

"Vor allem im Gesundheitswesen gibt es eine ganze Reihe von Projekten, da erntet man nicht nur blankes Erstaunen, wenn man das Wort Ontologien in den Mund nimmt", meinte Lassila. Fortschritte gäbe es auch in der öffentlichen Verwaltung, ergänzte Hendler. Federführend sei hierbei Großbritannien: "Nach größeren Pilotprojekten geht es nun an Vorhaben mit echten Daten. Hier hat das Semantic Web 2005 Potential gezeigt, nun gibt es mehr Geld, um die Vorhaben anzupacken."

In Deutschland gilt das aber nur bedingt. Laut einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik setzen Unternehmen semantische Technologien nach wie vor mit einem eher forschungsgetriebenen Ansatz ein. In betrieblichen Informationssystemen werden sie bisher nur in wenigen Bereichen in Service, Vertrieb und Marketing oder bei Archiv- und Contentdiensten genutzt. Dabei raten die Forscher aber keineswegs von einem Einsatz ab: Bei richtiger Implementierung in die Geschäftsprozesse brachten semantische Technologien in Einzelfällen Effizienzsteigerungen von bis zu 50 Prozent.

Zu den Pilotanwendern gehören in den USA das Militär und die Nasa. Diese will mit Techniken des semantischen Web die Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenführen. "Der Kongress will eine einheitliche Sicht auf die Daten haben, um Entscheidungen treffen zu können. Eine ähnliche Problematik stellt sich aber auch in Untenehmen", so Hensler. Neue Anwendungen zeichnen sich auch bei Web-2.0-Anwendungen wie Tauschbörsen, Wikis oder Blogs ab. Lassila: "Denkbar ist, dass beispielsweise in einer Fotodatenbank wie Flickr Metadaten ergänzt werden, die über eine bloße Vergabe eines Namens für ein Bild hinausgehen. So könnten zum Beispiel auch die Namen der darauf abgebildeten Personen hinterlegt werden." Der Schutz persönlicher Daten, der dann stärker thematisiert werden muss, ist im Moment einer der Schwerpunkte der weiteren Technologieentwicklung. "Dabei geht es darum, die Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen zu verhindern", so Hendler. Gleichzeitig mahnte er aber auch eine entspannte Haltung an: "Vieles im Web enthält heute schon sensible Daten, ohne dass es für die Benutzer wirklich ein Problem ist." (Pia Grund-Ludwig) / (heb)