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Sendeschluss für Handy-TV Watcha

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Nicht mehr auf Sendung ist ab dem morgigen Maifaiertag das mobile Fernsehangebot Watcha. Der Betreiber Mobiles Fernsehen Deutschland (MFD) bestätigte Berichte, dass der Sendebetrieb des auf dem DMB-Standard beruhenden Angebots eingestellt wird. Demnach soll die Ausstrahlung des kommerziellen Dienstes Watcha bereits zum 1. Mai gestoppt werden. Die Vertriebspartner debitel, Mobilcom und simply seien im Vorfeld eingebunden worden und hätten ihre Kunden entsprechend informieren können.

In den vergangenen Monaten hatte es Anzeichen gegeben, dass das DMB-Angebot in Deutschland keine große Zukunft mehr haben dürfte. So hatte MFD den Sendebetrieb in Nürnberg, Hamburg und München bereits im März zurückgefahren. Die Vertriebspartner hatten die Vermarktung ebenfalls in den vergangenen Wochen eingestellt. Dennoch kommt das Aus nun etwas plötzlich. Die Landesmedienanstalten habe die Frequenzen zurückgefordert, deshalb müsse der Betrieb ab Mai eingestellt werden, erklärte MFD das schnelle Ende in einer Mitteilung. Ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) erklärte dazu gegenüber heise online, MFD habe die Rückgabe der Frequenzen freiwillig angeboten, Fristen seien nicht gesetzt worden.

MFD vollzieht damit eine "strategische Neuausrichtung" zum Standard DVB-H. Die Kölner Handy-TV-Anbieter ist auch an dem Konsortium Mobile 3.0 beteiligt, das hierzulande den Sendebetrieb über DVB-H bis zum Start der Fußball-Europameisterschaft im Juni aufnehmen soll. Dem von der EU-Kommission offiziell gestützten Standard soll nun ein besseres Schicksal beschieden sein, als dem beispielsweise in Korea erfolgreichen DMB. Dass Handy-TV überhaupt beim Kunden ankommt, muss die Branche noch beweisen. Allerdings sieht man da auch in Kreisen der Mobilfunker noch einige Fragezeichen.

Denn die in Brüssel gefallene politische Entscheidung für DVB-H ist wohl ein wesentlicher, aber nicht der einzige Grund für den Rückzug der MFD. Zu wenig Frequenzen hätten nur den Betrieb von fünf Kanälen erlaubt und das Angebot unnötig begrenzt, erklärte das Unternehmen. Nach dem Brüsseler Votum sei zudem nicht zu erwarten gewesen, dass weitere Frequenzbereiche und damit eine größere Bandbreite für DMB zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus seien nicht genug DMB-fähige Handys auf dem Markt gewesen (in Deutschland war es genau eins). Frequenzen und Handys sind Faktoren, die sich vergleichsweise leicht in den Griff kriegen lassen. Schwieriger dürfte werden, die "mangelnde Akzeptanz seitens der Marktteilnehmer" (MFD) zu überwinden.

Zumal jetzt Handys mit kostenlosem DVB-T-Empfang auf dem Markt sind. Die DVB-H-Macher sehen darin allerdings keine Gefahr. Schließlich sei DVB-H technisch und inhaltlich auf die mobile Plattform zugeschnitten, heißt es dazu von Mobile 3.0. Mit dem Rückkanal erlaube DVB-H zudem interaktive Angebote, die es über DVB-T nicht gebe. Es sind also hauptsächlich die maßgeschneiderten Inhalte, die Kunden künftig zwischen 5 und 10 Euro im Monat wert sein sollen. Wie viele bisher bereit waren, für Watcha zu zahlen, darüber schweigen sich die Mobilfunkanbieter hartnäckig aus. "Niedrig fünfstellig", hört man dazu vereinzelt, also rund 10.000 Kunden. Von einer Erfolgsstory kann man da zwei Jahre nach dem Start nicht sprechen. (vbr)