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Senioren entdecken das Netz

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Christa Siegls Weg in die virtuelle Welt ist typisch: Die 56-Jährige hat sich den Computer nicht selbst angeschafft. Ihr Sohn setzte ausrangierte Computerteile zu einem neuen Rechner zusammen und schenkte ihn ihr. Ein gutes Dreivierteljahr ist das her. Die "Seniorin" aus der Nähe von Augsburg ist seitdem fast täglich online. "Wenn man allein lebt, ist es einfach schön, den Rechner anzumachen und zu hören, 'Sie haben Post'. Man weiß dann, dass jemand an einen denkt", fasst sie ihre Erfahrungen mit dem Internet zusammen.

Durch das World Wide Web hat Siegl, die seit zwei Jahren Rentnerin ist und "erst nicht wusste wohin mit der vielen freien Zeit", viele positive Erfahrungen gesammelt. Ihre Erlebnisse möchte sie gern an andere "Alte" weitergeben und ihnen Mut machen, selbst online zu gehen. Unter deutschen Senioren zeichnet sich der Trend zur Internetnutzung aber sowieso schon ab.

Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg hat sich die Zahl der regelmäßigen Internet-Nutzer unter den 50- bis 69- Jährigen vom Frühjahr 2001 bis Frühjahr 2002 von 6 auf 14 Prozent erhöht. Auch der Webmaster der Seite www.forum-fuer-senioren.de, Daniel Reinartz, bestätigt: "Die Zahl der Senioren, die das Internet nutzen, nimmt definitiv zu." Die Zahl der Seitenaufrufe und Zuschriften wegen technischer Fragen steige rasant.

"Das Internet ist einfach eine tolle Plattform, um neue Kontakte zu knüpfen", sagt auch Johannes Michalowsky. Der 71-Jährige hatte durch seinen früheren Beruf als Datenverarbeiter wenig Berührungsängste mit dem Internet. Seine Homepage ist mit der Seite des "Seniorentreffs" verlinkt. "Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass das Internet das Leben eines alten Menschen nur bereichern kann", sagt er. Er selbst habe über das Netz unter anderem eine Freundin gefunden, die er in Spanien seit vielen Jahren besucht.

Wegen der Kontakte wollte auch Siegl ins Netz. "Ich war auf der Suche nach einem neuen Partner, und jetzt hat mich das Internet sozusagen zur Autorin gemacht", sagt sie. Über die Seite www.forum- fuer-senioren.de habe sie zum ersten Mal humorvolle Gedichte zu Alltagsthemen veröffentlicht und Kontakte zu anderen Autoren geknüpft, die ihr für ihre Arbeit Mut gemacht haben. Ihre Stücke erscheinen jetzt in einem Gedichtsband. Webmaster Reinartz hört von immer mehr Senioren, die von einem regelrechten "Wiederbelebungseffekt durch neue Freundschaften" berichten.

Das Internet bereitet aber gerade Senioren Probleme bei der Anwendung. Eine jetzt erschienene Studie des amerikanischen Marktforschungsunternehmen Nielsen Norman Group zum Thema "Internet- Seiten für Senioren designen" zeigt auf, dass sie gerade wegen zunehmender körperlicher Probleme andere Anforderungen an die Seiten haben. Tests mit mehr als 40 älteren Menschen und einer Kontrollgruppe von 20 Personen im Alter von 21 bis 55 Jahren hatten unter anderem ergeben, dass die Schriftgröße auf Internet-Seiten für ältere Menschen nicht zu klein werden sollte. Ältere Menschen verlieren auch schneller den Überblick, welche Teile einer Seite sie schon besucht haben. (Nina Forst, dpa) / (jk)

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