Senioren sollen Preisverfall bei Unterhaltungselektronik stoppen

Gerade angesichts der alternden Gesellschaft glauben Experten, dass "Geiz ist geil" bald nicht mehr alles ist. Der Trend gehe zu Beratung und Service.

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  • Stephan Maurer, dpa

"MP3/WMA Player, 8--320 KBps und VBR, WMA 32--192 KBps, Mini-USB 1., 5GB HDD (1.0" Micro HDD), 5 Band Equalizer (DSP), ID3-Tag Unterstützung ..." -- so werden die neuesten Geräte der Unterhaltungselektronik heute im Handel angepriesen. Viele Verbraucher bleiben angesichts der unverständlichen technischen Details ratlos zurück. Hinzu kommt eine Flut von Neuheiten. "Der Konsument ist überfordert", sagte Werner Winkler vom Marktforscher GfK heute auf einer Fachtagung in Fürth. Gerade angesichts der alternden Gesellschaft glauben Experten, dass "Geiz ist geil" bald nicht mehr alles ist. Der Trend gehe zu Beratung und Service.

Für 2004 ist nach GfK-Angaben auf dem Markt für Unterhaltungselektronik in Westeuropa ein Umsatzvolumen von 47,2 Milliarden Euro zu erwarten, 6,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon würden bereits 44 Prozent mit neuen Technologien erzielt. Vor allem in Deutschland werde der Wettbewerb gegenwärtig noch fast ausschließlich über den Preis geführt. Die Folge ist ein massiver Preisverfall.

"Preisrückgänge von 30 Prozent pro Jahr sind keine Ausnahme mehr", sagte Winkler. Neueste Technologien wie DVD-Geräte, LCD- und Plasma-TV oder MP3-Player seien spätestens drei bis vier Jahre nach Markteinführung zum halben Preis zu haben. Die Ursachen: Die Produktion ist auch für No-name-Hersteller immer einfacher. Hinzu kommen ein scharfer Verdrängungswettbewerb auf der Handelsseite und neue Vertriebsformen wie Internet und Discounter.

Jeder sechste Kauf werde bereits bei Aldi & Co. getätigt, wo die Preise im Schnitt um 40 Prozent unter dem Marktdurchschnitt lägen, berichtete Wolfgang Adlwarth von GfK Panel Services Deutschland. Der Fachhandel reagiert mit Sonderangeboten und Preissenkungen. Nur noch 27 Prozent der nachgefragten Menge seien im vergangenen Jahr zum Normalpreis gekauft worden.

"Nur der permanente Nachschub an Innovationen sichert das Wachstum", sagte Winkler. Dies führt zu einer Schwemme von immer neuen Produkten. Mehr als 18.000 unterschiedliche Geräte für Unterhaltungselektronik -- Fernseher, Camcorder, DVD-Player, MP3- Player -- gibt es nach GfK-Feststellungen auf dem Markt, davon seien 30 Prozent pro Jahr Neuheiten. Hinzu kommen ständig neue Handys und Kameras, Software und Zubehör.

"Dies ist die Chance des Fachhandels", sagte Winkler. Denn der Markt der Unterhaltungselektronik werde mehr und mehr von den "Oldies" bestimmt. Die 55- bis 65-Jährigen verfügen mit 57.500 Euro über das höchste durchschnittliche Netto-Geldvermögen aller Haushalte, gefolgt von den 65- bis 70-Jährigen. Einer GfK-Untersuchung zufolge legen die Älteren deutlich weniger Wert auf den Preis. Wesentlich wichtiger sind ihnen Marke, Qualität und unkomplizierte Bedienung der Geräte. "Hinzu kommt eine ausgeprägte Erwartung an den Service", sagte Adlwarth. 41 Prozent der älteren Fernsehkäufer ließen das Gerät zu Hause vom Fachmann installieren. (Stephan Maurer, dpa) / (anw)