Serial ATA - Festplatten am dünnen Draht

Die Serial ATA Working Group hat den ersten Entwurf der Serial-ATA-Spezifikation veröffentlicht, um Hardwareentwicklern den schnellen Einstieg in die neue Technik zu ermöglichen.

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Von
  • Harald Bögeholz

Die Serial ATA Working Group hat den ersten Entwurf der Serial-ATA-Spezifikation veröffentlicht, um Hardwareentwicklern den schnellen Einstieg in die neue Technik zu ermöglichen. Serial ATA (kurz SATA) ist der designierte Nachfolger der heutigen parallelen ATA-Schnittstelle zum Anschluss von Festplatten, CD-ROM-Laufwerken und dergleichen, im Volksmund auch als IDE bekannt. Diese ist mit ihrer aktuellen Generation Ultra-ATA/100 (Übertragungsrate 100 MByte/s) am Ende ihrer Entwicklung angelangt.

Wie der Name schon sagt, ist Serial ATA eine serielle Schnittstelle, die in der ersten Version, Ultra SATA/1500, mit einer Datenrate von 1,5 GBit/s beziehungsweise netto 150 MByte/s arbeiten wird; weitere Erhöhungen der Transferrate sind bereits angedacht. Durch die serielle Übertragung kommt SATA mit einer dünnen, vieradrigen Leitung aus, die mit einer maximalen Länge von einem Meter auch mehr Freiheit für die Verkabelung innerhalb großer Rechnergehäuse bietet (Ultra-ATA/100: maximal 45 cm). Elektrischen Problemen mit dem Master/Slave-Betrieb zweier Geräte beugt SATA dadurch vor, dass es nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zulässt: Jedes Device muss über ein eigenes Kabel mit einem eigenen Port des Hostadapters verbunden sein.

Softwareseitig ist SATA voll kompatibel mit dem bisherigen parallelen ATA; bestehende Betriebssysteme sollen daher ohne neue Treiber damit zurechtkommen. Der SATA-Hostadapter enthält zu diesem Zwecke für jedes Device einen Shadow-Registersatz, der den bisher in der Festplatte untergebrachten Registersatz emuliert. Mit dessen Hilfe setzt der Hostadapter die ATA- beziehungsweise ATAPI-Kommandos in das neue serielle Protokoll um. Er kann dabei sogar eine Master/Slave-Emulation vornehmen, indem er die Kommandos je nach dem im Shadow-Register selektierten Device an den einen oder den anderen Port leitet.

Bereits im August hatte Seagate auf dem Intel Developer Forum in San Jose in Zusammenarbeit mit APT Technologies und Vitesse Semiconductor einen ersten Prototypen einer Festplatte mit SATA-Interface vorgeführt (siehe Bild). Bis Serial ATA in PCs anzutreffen ist, wird es jedoch wohl noch bis Ende 2001 dauern, eventuell noch länger. Von IBM verlautete beispielsweise, dass in den Roadmaps für die im November 2001 erscheinende Laufwerksgeneration zurzeit noch keine Rede von Serial ATA ist, wobei sich solch langfristige Planungen natürlich noch ändern können.

Ohnehin scheint fraglich, ob die Festplattenhersteller bei der Einführung von SATA sofort Modelle produzieren, die direkt mit dieser Schnittstelle ausgestattet sind, denn da das parallele ATA nicht auf einen Schlag aussterben wird, müssten sie dann für die Übergangszeit die doppelte Anzahl von Modellen vorhalten. Wahrscheinlicher ist es daher, dass sie die anfangs geringe Nachfrage nach Serial ATA mit einem zusätzlichen Umsetzer befriedigen, einem SATA-nach-ATA-Adapter, der auf gewöhnliche ATA-Platten aufgesteckt wird. Dieses Verfahren kennt man schon von FireWire alias IEEE 1394. Obwohl es diese Schnittstelle schon seit Jahren gibt, verbirgt sich auch heute noch in allen Computer-Peripheriegeräten, seien es FireWire-Festplatten, -CD-ROM-Laufwerke oder -CD-Writer, in Wirklichkeit ein ATA- oder ATAPI-Laufwerk mit einem entsprechenden Umsetzer. (bo)