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Server des Weltwirtschaftsforums geknackt

Auch eine Form der Demonstration gegen das Weltwirtschaftsforum in Davos: Angreifer haben die Server des World Economic Forum (WEF) geknackt und vertrauliche Daten von Teilnehmern gestohlen. Darunter sind Kreditkartennummern, Benutzernamen und Passwörter, private Telefon- und Handy-Nummern etwa des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, dem designierten Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und der ehemaligen amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright. Insgesamt seien die Daten von Tausenden von WEF-Teilnehmern zugänglich gewesen, darunter auch die von Bill Clinton und Bill Gates.

"Das ist ein Fall von Cyberkriminalität", sagte der Kommunikationschef des WEF, Charles McLean, nach Schweizer Zeitungsberichten. "Wir haben sofort die Polizei verständigt." Die Kreditkartenunternehmen haben die Karten weltweit gesperrt. Die Angreifer hatten einen WEF-Server geknackt, auf dem die vertraulichen Daten von Teilnehmern des Treffens der letzten vier Jahre gespeichert waren. Die geklauten Daten wurden nach Angaben der Schweizer Sonntagszeitung dem Blatt von WEF-Gegnern auf einer CD anonym zugespielt. Insgesamt seien darauf 80.000 DIN-A-4-Seiten an Daten gespeichert. Bislang seien die Daten jedoch noch nicht benutzt worden.

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Für Anti-WTO-Aktivist Giovanni Schuhmacher ist die CD mit den Daten aus dem WEF-Computer der Beweis für die Ungefährlichkeit der WEF-Gegner: "Die CD zeigt, was wir alles hätten machen können, wenn wir wirklich so militant wären, wie die Polizei glaubt", erklärte er gegenüber der Sonntagszeitung. Warum allerdings das WEF die Daten von vier Jahren so lange auf dem Server ließ, konnten die Zuständigen der Veranstaltung bislang nicht beantworten. Auch über die offensichtlich mangelnden Sicherheitsvorkehrungen ließen sich die Verantwortlichen bislang nicht näher aus.

Gegner des WEF protestierten am Samstag in Bern friedlich gegen den massiven Polizeieinsatz, der vor einer Woche eine Kundgebung gegen das Forum in Davos verhindert hatte. Der Protest der rund 1000 Demo-Teilnehmer verlief nach Angaben der Polizei friedlich. Die Demonstranten forderten auf Transparenten "freie Meinungsäußerung und Bewegungsfreiheit". Der Zorn der Demonstranten, die nicht nach Davos vordringen konnten, hatte sich in Zürich entladen. Bei Krawallen wurden in der Nacht zum vergangenen Sonntag Autos und Container in Brand gesetzt und Fensterscheiben eingeworfen.

Zur Kritik am WEF und den Protesten gegen die Veranstaltung siehe auch Weltwirtschaftsforum vor dem Aus? – "Davos Man" in argen Legitimationszwängen in Telepolis. (jk)

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