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Shadow of the Tomb Raider angespielt: Ein bisschen Weltuntergang ist immer

In Shadow of the Tomb Raider beweist Lara Croft einmal mehr erstaunliches Durchhaltevermögen. Auch ansonsten ist das Abenteuer zu berechenbar.

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Shadow of the Tomb Raider angespielt: Irgendwo ist immer Weltuntergang

(Bild: heise online)

Ein Flugzeugabsturz, ein paar Giftpfeile oder neckische Jaguarbisse in den Rücken können Lara in Shadow of the Tomb Raider nix anhaben. Sie zuckt kurz mit den Achseln, kraxelt dann mit dem Steigbügel die Wände entlang, schwingt sich über tiefe Schluchten oder taucht durch unterirdische Seen auf der Suche nach geheimen Grabkammern und mächtigen Artefakten. Mit anderen Worten: Alles wie gehabt.

Es geht in mal wieder um Fundstücke, die irgendwo tief versteckt im Dschungel herumliegen. Und um die obligatorische Prophezeiung, die wie üblich den Weltuntergang herbeibeschwört. Lara und ihr treuer Freund Jonah machen sich auf die Suche nach den Geheimnissen der Inkas und treffen auf ihre alten Feinde der Geheimorganisation Trinity, die schon Laras Vater auf dem Gewissen haben.

Die Story ist ausgelutscht

Dieser Abschluss der Trilogie, die 2013 mit einem spektakulären Reboot der bekannten Action-Adventure-Serie startete, liefert den bewährten Mix aus Klettereinlagen, Actionszenen und Schalterrätseln, die schon die beiden Vorgänger auszeichnete. Die Story im jüngsten Lara-Abenteuer von Square Enix enttäuscht: Im dritten Anlauf wirken die stereotypen Bösewichter und die Storywendungen doch arg ausgelutscht: Lara rennt Artefakten hinterher, die sie dann irgendwie immer wieder vor der Nase weggeschnappt bekommt.

Das gehört zwar alles zum Prinzip des Genres, aber die selbstverordnete Trübseligkeit dieser neuen Lara beißt sich mit unfreiwillig komischen Momenten. Einerseits zeigt das Spiel die an sich spannende Idee einer besessenen Lara, die für ihre Rache rücksichtslos über Leichen geht. Andererseits sind diese ernsten, realistischen Momente schnell vergessen, wenn sie sich in Minutenschnelle von einem zerquetschen Bein oder einer blutigen Begegnung mit einem Jaguar erholt.

Spätestens wenn Lara mitten im Dschungel-Dorf bei Inka-Nachfahren Hightech-Upgrades für ihre Waffen kauft, sollten sich die Spieler vom ursprünglichen Realismus-Gedanken des Reboots verabschieden. Ärgerlich: Das spannende Szenario über einen aussterbenden indigenen Volksstamm verkommt zum bloßen Exotik-Schnickschnack, wenn Lara durch das Inka-Dorf trampelt und sich ungeniert ihre Ressourcen zusammenklaut.

Abseits davon macht das neue Lara-Abenteuer aber viel richtig. Es gibt kaum andere Spiele, die derart dazu einladen, sich von der Story abzuwenden und sich stattdessen ganz der Sammel- und Entdeckungswut hinzugeben. Irgendwo gibt es immer was zu tun: Da ein paar Schätze ausgraben, sogenannte Herausforderungsgräber mit Geschick und Hirnschmalz plündern oder dort Jagd auf Beutetiere machen, um die Ausrüstung zu verbessern. Alles wirkt vertraut, aber gut durchdacht.

Neuerungen im Vergleich zu den beiden Vorgängern müssen die Spieler dagegen mit der Lupe suchen. Die Gräber sind ein wenig größer geworden und die Schleicheinlagen ein wenig ausgefeilter. Lara-Fans der ersten Stunde dürfen sich wieder auf ausgedehnte Tauchgänge freuen, die in den beiden Vorgängern vernachlässigt wurden. Bei den Baller-Szenen hat sich wenig geändert: Die Deckungsshooter-Action erinnert wieder frappierend an Uncharted. Überhaupt wirft das Nathan-Drake-Abenteuer einen großen Schatten auf das Spiel. Im direkten Vergleich wirkt Naughty Dogs preisgekröntes Schatzsucherdrama aber ausgefeilter und spektakulärer als Shadow of the Tomb Raider.

Shadow of the Tomb Raider angespielt (5 Bilder)

Spektakulär wie immer: Shadow of the Tomb Raider bietet eine große Spielwelt zum Entdecken.
(Bild: heise online)

Shadow of the Tomb Raider ist der schwächste Teil der neuen Trilogie um die Abenteurerin Lara Croft, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Spielerisch bleibt es beim erfolgserprobten Action-Adventure-Mix. Es macht einen Heidenspaß, die Gegend zu entdecken oder die Gegner aus dem Hinterhalt zu erledigen. Minuspunkte gibt es für die schwächelnde Geschichte, denn so ganz nimmt man den Machern die einerseits trübselige und andererseits eiskalte Heldin nicht ab. Lara-Fans können aber getrost ein Auge zudrücken und sich auf ein temporeiches Action-Abenteuer freuen.

Shadow of the Tomb Raider erscheint am 14. September für Windows, PS4 und Xbox One und kostet ca. 60 Euro. USK ab 16. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden mit der PS4-Version gespielt. (Andreas Müller) / (dahe)

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