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Sharp stoppt vorübergehend Panelproduktion in Japan

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Sharp will in seiner Panelfabrik Kameyama II künftig neben großen TV-Panels auch kleine und mittelgroße LCD-Panel für Mobilgeräte wie Smartphones und Tablets fertigen. Das ist insofern überraschend, als in Fabs der Generation 8 wie in Kameyama II weltweit ausschließlich große Fernseh-Displays produziert werden. Allenfalls große Monitorpanels laufen in solchen Fabriken mit Substratgrößen von 2,16 m × 2,40 m vom Band.

Das japanische Unternehmen will in der Kameyama-Fab ab kommendem Jahr allerdings besondere Mobildisplays fertigen: Sie sollen Dünnfilm-Transistoren aus Indium-Gallium-Zink-Oxid (InGaZnO) nutzen, die eine sehr gute Elektronenmobilität besitzen und kostengünstig unter Raumtemperatur aufgebracht werden können. Vorteil: Dank der hohen Ladungsträgerbeweglichkeit können die Pixelstrukturen und die Zuleitungen kleiner ausfallen. Dies führt zu einer höheren Displayauflösung sowie besseren Lichtdurchlässigkeit und damit zu einem geringeren Energiebedarf, was gerade für Mobilgeräte entscheidend ist.

Sharp hatte seine beiden großen LCD-Fabriken Kameyama II in der Prefektur Mie und Sakai nahe Osaka kürzlich heruntergefahren und will die dortige Panel-Produktion voraussichtlich Mitte Mai wieder aufnehmen. Zwar wurden die beiden Fabs nicht selbst beschädigt, aber sowohl die Energieknappheit in Japan als auch der fehlende Nachschub an natürlichem Gas führten zu der Schließung. Außerdem ist die Binnennachfrage in Japan weitgehend eingebrochen, was für Sharp gerade im Display-Bereich besonders schwerwiegende Folgen hat, da Japan der größte Absatzmarkt des Unternehmens ist. Für die Panel-Versorgung außerhalb Japans sieht Sharp aber keine Probleme. Man habe ausreichend Lagerkapazität, um die Nachfrage etwa in Europa befriedigen zu können, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber heise online.

Sony wird seine Anteile an Sharps LCD-Produktionsstätte in Sakai wahrscheinlich nicht weiter aufstocken; das berichtet unter anderem das Wall Street Journal. Seit Juli 2009 hält Sony 7 Prozent an der Sharp Display Products Corp., und damit an der weltweit einzigen LCD-Fabrik der 10 Generation, in der Schrankwand-große Muttergläser (3,05 m × 2,85 m) verarbeitet werden. Ende dieses Monats sollte der Anteil am Joint Venture eigentlich auf 34 Prozent ausgebaut werden, doch daraus scheint nun nichts zu werden. Ein wesentlicher Faktor dürfte auch hier das Erbeben und die nachfolgende Atomkatastrophe in Japan sein. (uk)