Sheryl Sandberg: Facebooks Psycho-Experiment wurde "schlecht kommuniziert"

Facebooks Geschäftsführerin Sheryl Sandberg äußert sich zum Psycho-Experiment, für das der Newsfeed zahlreicher Nutzer verändert wurde. Ihrer Meinung nach ist die Aufregung darüber eher ein Kommunikationsproblem.

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Von
  • Axel Kannenberg

Facebooks Chefetage nimmt Stellung zu dem umstrittenen Experiment, bei dem die Timelines hunderttausender Nutzer manipuliert wurden. Geschäftsführerin Sheryl Sandberg erklärte bei einem Geschäftstreffen in Indien, dass das Projekt den Nutzern "schlecht kommuniziert“ wurde, wie das Wall Street Journal berichtet. Für diese mangelhafte Kommunikation entschuldige sich Sandberg.

Nicht das Experiment, sondern dessen Vermittlung ist für Sheryl Sandberg ein Grund zur Entschuldigung.

(Bild: dpa, Jean-Christophe Bott)

Ansonsten sei das Experiment Teil der üblichen Verfahren gewesen, mit denen Unternehmen ihre unterschiedlichen Produkte testeten. Generell nehme Facebook aber Privatsphäre und Sicherheit sehr ernst, weil dies die Basis sei, auf der Nutzer ihre Gefühle und Ansichten teilen könnten. Laut Bericht von Mashable fügte Sandberg hinzu, dass Facebook keinesweg Emotionen seiner Nutzer manipulieren könne und darauf auch gar nicht abziele. Ob diese Erklärung den nach wie vor brodelnden Zorn vieler Nutzer besänftigen kann, bleibt abzuwarten.

In jedem Fall ruft das Experiment von Facebook bereits britische Datenschützer auf den Plan. "Wir wissen von dieser Sache und werden mit Facebook sprechen“, sagte ein Sprecher des Information Commissioner's Office (ICO) am Mittwoch. Die Behörde werde außerdem mit den Kollegen in Irland Kontakt aufnehmen, wo das Online-Netzwerk seinen Hauptsitz in Europa hat. Das ICO sei lediglich für den Umgang mit persönlichen Daten in Großbritannien zuständig, hieß es.

Das Experiment im Januar 2012 sollte Erkenntnisse darüber liefern, wie Gefühle sich in Netzwerken ausbreiten. Dafür wurde der Nachrichtenstrom von rund 690.000 Nutzern ohne deren Wissen verändert. Eine Gruppe sah mehr positive Mitteilungen ihrer Freunde, eine andere mehr negative. Es zeigte sich, dass Menschen, die mehr positive Nachrichten sahen, etwas eher dazu neigten, selbst positive Einträge zu veröffentlichen – und umgekehrt. Eine Studie dazu wurde im März 2014 veröffentlicht. "Wir haben unsere Motive in dem Papier nicht klargemacht", räumte bereits einer der Autoren der Studie ein.

Das Experiment wurde nur auf englischsprachige Nutzer angewandt. Facebook erklärte, die Veränderung des Algorithmus und die Auswertung der Daten seien von den Nutzungsbedingungen gedeckt. Facebooks Datenschutz-Regeln enthielten zum Zeitpunkt des umstrittenen Psycho-Experiments allerdings noch keinen Hinweis auf „Forschung“ als möglichen Verwendungszweck: Dieser kam erst mit einer neuen Fassung einige Monate später hinzu, berichtete das US-Magazin Forbes. Generell ist die wissenschaftliche Auswertung von Nutzerdaten aber nichts ungewöhnliches bei Facebook – der Konzern beschäftigt schon seit längerem Sozialforscher. (Mit Material der dpa) / (axk)