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"Shiny Flakes": Online-Handel für Drogen in Leipzig aufgeflogen

Im Angebot waren Kokain, Ecstasy, LSD und Marihuana. Fast ein Jahr waren sächsische Fahnder einem Drogenhändler auf der Spur. Kunden konnten das Rauschgift übers Internet bestellen.

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"Shiny Flakes": Online-Handel für Drogen in Leipzig aufgeflogen

Ob Clearnet oder Darknet: Auf beiden Websites der Drogen-Plattform wirbt jetzt die Polizei Sachsen um Nachwuchs.

(Bild: Screenshot)

Bestellung im Netz, Zahlung per Vorauskasse, Lieferung mit der Post: Die Polizei in Leipzig hat nach rund einjährigen Ermittlungen einen weltweit agierenden Online-Versand für Drogen zerschlagen. Insgesamt wurden rund 360 Kilogramm Drogen mit einem Marktwert von mehr als vier Millionen Euro beschlagnahmt, wie der Chef der Kripo Leipzig, Petric Kleine, am Donnerstag sagte. Laut Polizei ist dies einer der bisher größten Drogenfunde in Deutschland. Vor der Presse präsentierte sie Berge von beschlagnahmtem Kokain, Ecstasy, LSD und Marihuana.

Den Großteil – 320 Kilogramm – entdeckten die Beamten am 26. Februar bei einer Durchsuchung in der Wohnung eines 20-Jährigen Leipzigers, der noch bei seinen Eltern lebte. Er wurde zusammen mit einem Kurierfahrer verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft. Am vorigen Mittwoch gab es zudem bundesweit 38 Durchsuchungen, bei denen fünf weitere Verdächtige verhaftet wurden. Der zuvor nicht polizeibekannte 20-Jährige hat nach den bisherigen Ermittlungen auf der Online-Plattform weltweit Drogen zum Verkauf angeboten.

"Er ist äußerst konspirativ und professionell vorgegangen", sagte Kleine. Die Plattform sei erstmals 2013 im nur eingeschränkt zugänglichen Dark Net aufgefallen. "Dort begann er seine Karriere" sagte der Kriminalist. Anfang 2014 sei der Verdächtige dann ins offene Netz gewechselt. Zur Anonymisierung von Empfängern und Absendern kam die Spezial-Software Tor zum Einsatz. Außer Heroin konnte alles geliefert werden, was es an Drogen auf dem Markt gebe.

Bezahlt wurde mit dem Kryptogeld Bitcoin. Die Lieferung erfolgte weltweit als Einschreiben oder an Paketstationen. Die Drogen stammten laut Polizei unter anderem aus den Niederlanden. "Wir gehen von mehreren tausend Kunden aus“, sagte Kleine. Einzelheiten nannte er nicht. Die Ermittlungen seien noch im vollen Gange. Warum der mutmaßliche Drogenhändler seine Geschäfte von zu Hause aus betreiben konnte, ohne, dass seine Eltern etwas merkten, blieb offen. Kleine wollte dazu aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nichts sagen.

Neben der Razzia in Leipzig nahm die Polizei am Mittwoch bundesweit insgesamt 38 weitere Durchsuchungen in dem Fall vor. Dabei wurden fünf weitere Personen verhaftet, ferner mehrere tausend Euro an Bargeld sowie mehrere Kilogramm an Drogen beschlagnahmt.

Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz betonte: "Wir werden auch versuchen, die Leute, die auf der Plattform bestellt haben, zu ermitteln. Wer bestellt hat, macht sich strafbar." Er sprach von einer neuen Form der Kriminalität. Der Leiter der Polizeidirektion Leipzig, Bernd Merbitz, betonte, die Polizei werde sich verstärkt auf neue Felder der Kriminalität einstellen müssen. "Wir werden uns intensiver um das Internet kümmern müssen."

Wer jetzt auf die Plattform geht, landet bei der Polizei Sachsen – die macht dort Werbung für Jobs bei der Polizei. (Mit Material der dpa) / (axk)

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