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Showdown: EADS-Aktionär Lagardère gegen Wyser-Pratt

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Guy Wyser-Pratte ist als "Heuschrecke" verschrien: Wo der US-Investor auftaucht, bricht schnell Panik aus. Diesmal hat er Lagardère im Visier. Das ist nicht nur der zweitgrößte Buchverlag der Welt und einer der weltgrößten Pressekonzerne dazu, sondern auch der Vertreter Frankreichs im Airbus-Konzern. Ein Politikum. Wyser-Pratte will Konzernchef Arnaud Lagardère auf der Hauptversammlung an diesem Dienstag praktisch entmachten und den Konzern zerlegen. Der bedrängte Firmenerbe rüstet zum Showdown.

Der Konzern sei "schlecht geführt, archaisch, antidemokratisch", wettert Wyser-Pratte. "Lagardère interessiert sich nur für Sport." Die Kommanditgesellschaft auf Aktien müsse in eine AG umgewandelt werden. Dann wäre der bisher faktisch allein herrschende Kommanditist Lagardère mit seinem mageren 9,62-Prozent-Anteil nur noch ein Aktionär unter vielen. Als ersten Schritt beantragte Wyser-Pratte einen Sitz für sich im Aufsichtsrat – und die Möglichkeit der Konzernführung, ohne vorherige Billigung Lagardères strategische Entscheidungen zu treffen.

So brachial ist Wyser-Pratte auch schon in deutsche Jagdgründe eingedrungen. Beim Reisekonzern Tui kaufte er sich ein, um die Zerschlagung zu fordern. Vom Roboterbauer Kuka über Vossloh bis zu Cewe Color sorgte er für Wirbel. Manchmal holt er sich dabei aber auch eine blutige Nase – wie mit seinem teuren Engagement beim Handyzulieferer Balda.

Lagardères Reaktion ließ auf sich warten. Doch jetzt feuert der alte Freund von Präsident Nicolas Sarkozy aus allen Rohren. Am Freitag rief er die Börsenaufsicht an, weil Wyser-Pratte den Markt irreführe. In Interviews wettert er, Wyser-Pratte sei "ein Geierfonds": "Seine Taktik ist simpel: Lärm machen, den Aktienkurs hochtreiben, das Geld nehmen und abhauen." Wyser-Pratte habe keine strategische Alternative, arbeite selbst mit Strukturen einer Kommanditgesellschaft, sei mehrfach von der Börsenaufsicht verurteilt worden und verberge seine Unternehmen in Steuerparadiesen wie den Caiman-Inseln oder Liechtenstein.

Zwar hat Wyser-Pratte nur einen winzigen Kapitalanteil von 0,53 Prozent am Unternehmen zusammengerafft und kann gegen das Veto des Kommanditisten die Rechtsform nicht ändern. Doch er hat wohl einen Finger in eine offene Wunde gelegt. Denn plötzlich steht Lagardère im Rampenlicht der Kritik: Der Erbe kümmere sich nicht um seine Unternehmen, treibe sich lieber auf Tennisplätzen herum und schwänze die Sitzungen des EADS-Verwaltungsrates. Der Konzern sei ein zusammengewürfeltes Konglomerat ohne erkennbare Strategie. Die Schuhe seines Übervaters, des Flugzeugbauers und EADS-Mitgründers Jean-Luc Lagardère, seien ihm zu groß.

So ein Feuer lässt sich schwer löschen. Dabei hat Arnaud Lagardère einfach auch Pech gehabt. Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er nicht das Flugzeug-Gen seines Vaters in sich trägt und lieber im Medien- und Sportbusiness Erfolge sucht. Aus EADS will er aussteigen, doch ihm sind da politisch die Hände gebunden.

Beim Umbau der Gruppe wurde Lagardère zudem von der Werbe- und Medienkrise voll erwischt. Der Erbe verdoppelte seinen Konzernanteil für 340 Millionen Euro, doch danach ließ die Krise die Aktienkurse purzeln. Das Mediengeschäft (Elle, Paris Match, Virgin Radio, Europe-1, Tele7) brach 2009 um ein Fünftel auf 1,73 Milliarden Euro Umsatz ein. Dafür wuchs sein Buchgeschäft (Hachette, Larousse, Grasset) auf 2,73 Milliarden Euro Umsatz und 301 Millionen Gewinn. Im Sportgeschäft drängt Lagardère mit einer halben Milliarde Umsatz in die Weltspitze. Der Pressehandel mit 3,39 Milliarden Euro Umsatz ist aber defizitär. Dazu kommen Beteiligungen wie die 7,5 Prozent an EADS.

Seit Wyser-Prattes Attacke wird Lagardère aktiv. Er will seinen auf 1,3 Milliarden Euro geschätzten 20-Prozent-Anteil am Bezahlsender Canal+ verkaufen. Auch aus dem Monde-Verlag dürfte er aussteigen. Die Gruppen Marie-Claire und Amaury (Tagespresse, L'Equipe und France Football, Organisator der Tour de France und Rallye Dakar) will er entweder ganz übernehmen oder abstoßen.

Wyser-Pratte hat damit fast schon erreicht, was Lagardère ihm unterstellt: Er hat seit seinem Einstieg vor einem Monate den Kurs der Lagardère-Aktie um 14 Prozent hochgetrieben. Gewinn ist ihm also sicher, selbst wenn er beim Showdown mit Lagardère verliert. (anw)