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Showdown bei Bitcoin Cash: Kampf bis zum Tod

Mit dem für 17:40 Uhr geplanten Hard Fork von Bitcoin Cash wird ein Krieg um die Fortführung der Kryptowährung beginnen. Überleben kann nur einer.

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Showdown bei Bitcoin Cash: Kampf bis zum Tod

Es ist ein klassischer Showdown, ein Duell bis zum Tod: Der für den heutigen Abend um 17:40 Uhr angesetzte Hard Fork wird zu einem offenen Machtkampf zweier Entwicklerlager führen, den nur eine Fraktion überleben kann. Dabei geraten auch Besitzer der Kryptowährung in Gefahr: Sie müssen ihre Bitcoin Cash ruhen lassen und anschließend in Sicherheit bringen, um nicht Opfer von Dieben zu werden.

An sich sind Hard Fork nichts Ungewöhnliches bei Bitcoin Cash, schließlich ist die Kryptowährung am 1. August 2017 selbst aus einem Hard Fork des bekannten Bitcoin hervorgegangen. Seitdem gab es etwa alle sechs Monate weitere Hard Forks, zunächst im November 2017, dann im Mai 2018 und nun wieder im November 2018.

Bei einem Hard Fork werden die Spielregeln der Kryptowährung derart umfangreich verändert, dass künftige Blöcke die bislang geltenden Regeln verletzen und deshalb von älteren Clients zurückgewiesen werden würden. Faktisch entsteht durch einen solchen Hard Fork jedes Mal eine neue Kryptowährung, genau so wie Bitcoin Cash aus Bitcoin hervor ging. Wird die bisherige Blockchain jedoch nur durch Blöcke der neuen Regeln fortgesetzt, so wird die alte Kryptowährung abgelöst – sie hört auf zu existieren und die neue übernimmt nahtlos. Das setzt jedoch eine Einigkeit unter Entwicklern und Miner-Betreibern voraus.

Während man sich bei den bisherigen Forks von Bitcoin Cash auf die neuen Regeln einigen und so eine weitere Spaltung von Bitcoin Cash verhindern konnte, kommt es bei dem am heutigen 15. November 2018 um 17:40 geplanten Hard Fork zu einer offenen Auseinandersetzung zweier Entwicklerlager. Dabei hat man sich im Vorfeld derart verfeindet, dass man nicht einmal bereit war, gemeinsam grundlegende Maßnahmen zum Schutz der Bitcoin-Cash-Besitzer zu ergreifen.

Im Kern geht es um die Einführung neuer Operationen (OP-Codes), mit denen externe Smart Contracts in Bitcoin Cash eingebunden werden könnten, außerdem um eine neue Anordnung der Transaktionen innerhalb der Blöcke, was zu einer schnelleren Verbreitung neuer Blöcke führen soll. Die Entwickler von Bitcoin ABC, einem Bitcoin-Cash-Client, stehen hinter diesen neuen Vorschlägen und haben ihre Software bereits entsprechend angepasst.

Auf der anderen Seite steht Craig Wright, Bitcoin-Experte und Besitzer des Blockchain-Unternehmens nChain. Dieser verteufelt die geplanten Neuerungen als nur für Kinderporno-Seiten und Drogen-Marktplätze benötigt ("If (...) devs want to make permissionless kiddie porn sites and Silk Road Version 2.0 they can piss off to Dash (...) This is the only real use case they have").

Wright hat einen Gegenvorschlag unter dem Schlagwort "Sathosi's Vision", kurz "SV", erarbeitet. Er behauptet von sich, der geheimnisvolle Erfinder des Bitcoins zu sein, Satoshi Nakamoto. Beweise dafür blieb er der Öffentlichkeit allerdings bislang schuldig. Mit seinen Änderungsvorschlägen für den heutigen Hard Fork will er den wahren Bitcoin wiederbeleben, in dem er bei Bitcoin zwischenzeitlich abgeschaltete OP-Codes in Bitcoin Cash wiederbelebt. Außerdem will er die bislang 32 MByte großen Blöcke auf bis zu 128 MByte vergrößern – und das, obwohl vergangene Stresstests des Bitcoin-Cash-Netzwerks bereits massive Probleme bei Blöcken oberhalb von 22 MByte offenbarten.

Wright, der sich zum Verteidiger Satoshis Erbes ernannt hat, lehnt die Einführung der OP-Codes des ABC-Lagers kategorisch als Verstoß gegen die Idee des Bitcoin ab. Und das mit harschen Worten gegenüber Roger Ver von bitcoin.com, der öffentlich die ABC-Entwickler unterstützt. Ver veröffentlichte dazu auf Twitter einen Screenshot einer E-Mail, die er von Wright erhalten haben will: "Side with ABC, you hate Bitcoin, you are my enemy. You have fucking no idea what that means. You will. I am Satoshi (...) You will now discover me when pissed off."

Weiter hat Wright angekündigt, die ABC-Blockchain aktiv anzugreifen: "If you want a war... I will do 2 years of no trade. Nothing. In the war, no coin can trade (...) I will see BCH trade at 0 for a few years." Er plant, durch Minen leerer Blöcke jeglichen Handel auf der ABC-Blockchain unmöglich zu machen, weil die Blöcke mit Transaktionen immer wieder absterben und durch Ketten leerer Blöcke ersetzt werden. Eine Kryptowährung, die nicht gehandelt werden kann, würde jedoch augenblicklich wertlos.

Das ist keine leere Drohung, denn Wright hat nicht nur die Kontrolle über den SV-Mining-Pool, sondern auch über den Mining-Pool von Coingeek. Beide Pools zusammen stellen knapp 60 Prozent der Hash-Leistung des gesamten Bitcoin-Cash-Netzwerks. Insidern zufolge soll Wright außerdem weitere Miner überzeugt haben, seinen Vorschlag zu unterstützen. Um die Kryptowährung vollständig zu kontrollieren, wären sogar nur 51 Prozent nötig.

Das ABC-Lager auf der anderen Seite hat aber ebenfalls prominente Unterstützung: Einmal durch den Mining-Pool von Bitcoin.com, aber auch durch den Hersteller Bitmain. Dieser soll 90.000 AntMiner S9 als Reserve installiert haben, um die ABC-Blockchain unterstützen zu können – das entspricht etwa einem Viertel der derzeit aktiven Mining-Leistung weltweit. So könnte das ABC-Lager den Angriff Wrights möglicherweise abwehren.

Bei dem Showdown geht es um nicht wenig, die Marktkapitalisierung von Bitcoin Cash beträgt rund 8 Milliarden US-Dollar. Der Gewinner wird künftig Bitcoin Cash kontrollieren. Ein weiterer Verlierer steht bereits fest: Die Kryptowährung Bitcoin Cash wird massiv an Wert verlieren, egal, welche der beiden Varianten das Rennen macht.

Der Streit hatte zur Folge, dass jedes Lager seine Ideen ohne Rücksicht auf den jeweils anderen umsetzt. Das wird jedoch für Bitcoin-Cash-Besitzer zum Problem: Es entstehen bei dem heutigen Hard Fork zwei neue Kryptowährungen, Bitcoin Cash ABC (BCHABC) und Bitcoin Cash SV (BCHSV) genannt. Ein sogenannter Replay-Schutz wurde jedoch von keiner der beiden Seiten implementiert. Damit besteht die Gefahr, dass Bitcoin Cash gestohlen werden, sobald sie jemand nach dem Hard Fork transferiert.

Nach dem Hard Fork erhält jeder Besitzer von Bitcoin Cash, genau wie bei einem Aktiensplit, die gleiche Anzahl Bitcoin Cash ABC und Bitcoin Cash SV; der bisherige Bitcoin Cash wird voraussichtlich nicht weiter existieren. Transferiert man nun Bitcoin Cash ABC zu jemand anderem, etwa weil man sie verkauft, so kann jedermann die ABC-Transaktion kopieren und bei Bitcoin Cash SV einspeisen – mit dem Ergebnis, dass man auch seine Bitcoin Cash SV los ist. Umgekehrt funktioniert das genauso.

Deshalb ist es wichtig, nach dem Hard Fork neue Wallets anzulegen – eins für ABC, eins für SV – und dann sein gesamtes Bitcoin-Cash-Guthaben mit dem Bitcoin-ABC-Client an das ABC-Wallet und anschließend mit dem Bitcoin-SV-Client an das SV-Wallet zu transferieren. Erst wenn die Bitcoin Cash getrennt auf neuen Wallets lagern, ist man vor Diebstählen sicher. Schade, dass keine der Entwicklergruppen bereit war, den Nutzern diesen Aufwand zu ersparen und einen Replay-Schutz zu implementieren

Wie lange der Showdown dauert, ist nicht abzusehen. Die Schätzungen von Insidern reichen von wenigen Stunden bis hin zu einigen Wochen. Letztlich wird entscheiden, wer mehr Miner mobilisieren kann und mehr Geld hat, um seine Miner am Laufen zu halten. Denn wenn der Showdown um 17:40 Uhr beginnt, wird der Handel mit Bitcoin Cash in der ersten Stunden oder Tagen praktisch unmöglich sein.

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(mid)

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