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Sicherheit und Technik: "Es ist schon beunruhigend"

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Wer hat wann was gewusst? Auf diese Frage reduzierte sich in jüngster Zeit die öffentliche Debatte über Drohnen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière wird vorgeworfen, das Projekt Euro Hawk zu spät gestoppt und dadurch unnötig viel Steuergelder vergeudet zu haben. Grundsätzlichere Fragen um den militärischen und zivilen Einsatz unbemannter Systeme sind dagegen in den Hintergrund getreten. Ihnen widmet sich jetzt eine dreitägige wissenschaftliche Konferenz an der Universität Paderborn.

Bewaffnet oder nicht – das ist gar nicht mal die entscheidende Frage.

(Bild: US Air Force )

Unter dem Titel "Tracking – Targeting – Predicting" beschäftigen sich von Donnerstag bis Sonntag Wissenschaftler mit Veränderungen des Sehens durch neue Überwachungstechnik, den Wechselwirkungen zwischen militärischen und zivilen Sicherheitskonzepten und der Frage, an welchen Verhaltensmustern Terroristen zu erkennen sind. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Einbindung der Drohnen-Technik in ein übergeordnetes Netzwerk umfassender Überwachung.

Die Konzentration der gegenwärtigen Debatte auf bewaffnete "Kampfdrohnen" scheint vor diesem Hintergrund das Thema ebenso zu verfehlen wie das Feilschen um den Euro Hawk. "Drohnen sind auch ohne Waffen nicht harmlos“, sagt Tagungsleiterin Jutta Weber im Gespräch mit heise online, "sondern bedrohen massiv die menschliche Privatsphäre".

Doch Drohnen seien nur der "gegenwärtig sichtbarste Teil der Hightech-Netzwerke, die gerade geschaffen werden", meint Weber. Im vergangenen Jahr sei in New York etwa ein "Domain Awareness System“ eingeweiht worden, in dem mehrere tausend Kameras und Sensoren miteinander vernetzt sind, deren Daten in einer Kommandozentrale zusammenlaufen und dort mit Datenbanken und Terrorismuslisten abgeglichen werden. "Dieser Wunsch nach einem kompletten Überblick über das Einsatzgebiet in Echtzeit bestimmt sowohl die zivile als auch die militärische Sicherheitsstrategien", sagt Weber.

Weber kritisiert die Technik-Fixierung der Sicherheitsszene. "Das eigentliche Problem ist das Primat der technikzentrierten Sicherheit, das sich über die letzten 30 Jahre entwickelt und durch die Anschläge vom 11. September 2001 noch einmal einen kräftigen Schub bekommen hat", sagt die Philosophin und Technikforscherin. "Natürlich gibt es sinnvolle technologische Lösungen für Sicherheitsprobleme, aber die Ausschließlichkeit, mit der gegenwärtig auf diese Karte gesetzt wird, ist sehr problematisch."

Dabei werde weiter an technischen Lösungen gearbeitet, obwohl diese oft nicht funktionierten. "Es ist schon beunruhigend, dass mittlerweile über 70 Länder Drohnen entwickeln. Noch mehr fürchte ich aber die Verselbstständigung der Idee vom 'technological fix', also dem Versuch, gesellschaftliche und politische Probleme durch eine technologische Logik zu lösen. Geradezu erschreckend finde ich, dass dieser Ansatz weiter verfolgt wird, obwohl er in Afghanistan und im Irak gerade kläglich gescheitert ist." (vbr)