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Sicherheitsexperte bringt Drohnen-Führerschein ins Gespräch

Eine Besitzkarte für Drohnen ähnlich dem Waffenschein? Für Helmut Spahn durchaus vorstellbar. Der einstige Sicherheitsbeauftragte für die Fußball-WM 2006 in Deutschland mahnt mehr Bewusstsein für die Risiken an. Er fordert eine konzertierte Aktion.

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Ein Kopter von Draganfly als Polizei-Drohne

(Bild: Draganfly)

Eine stärkere Reglementierung für den Einsatz ziviler Drohnen mahnt der frühere Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Helmut Spahn, an. Schon im Vorjahr hatte der Sicherheitsexperte gefordert, das Thema auf die Agenda zu setzen. Anlass war eine Flagge, die Unbekannte mit Drohnen
beim Qualifikationsspiel zwischen Albanien und Serbien zur Fußball-Europameisterschaft in ein Stadion flog. Eine konzertierte Aktion fordert er im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Wie groß ist die Gefahr durch die zivilen Drohnen?

Helmut Spahn leitet aktuell in Katars Hauptstadt Doha die Sicherheitsfirma "International Centre for Sport Security".

(Bild: ICSS (CC BY-SA 1.0) )

Helmut Spahn: Ich glaube, dass es sich um eine wachsende Bedrohung handelt. Diejenigen, die kriminelles Potenzial haben, werden alles versuchen, um neue Techniken für ihre Zwecke zu nutzen. Wie bei allen neuen Problematiken muss man natürlich auch in dem Fall aufpassen, dass man bei der Bekämpfung nicht übers Ziel hinausschießt, sondern zunächst eine seriöse Bestandsaufnahme sowie eine professionelle Risikoanalyse erstellt. Dazu gehören viele Akteure. Wie immer im Leben ist es das größte Problem, die unterschiedlichen Parteien an einen Tisch zu bringen, um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten. Es nutzt nichts, wenn das Justizministerium oder die Luftfahrtbehörde an irgendwelchen Modellen arbeiten und Einzellösungen hervorbringen. Da muss eine konzertierte Aktion her, da müssen alle an einem Strang ziehen.

Ist sich die Gesellschaft der Gefahr überhaupt bewusst?

Helmut Spahn: Man ist sich dieser Gefahr noch nicht gänzlich bewusst – wie man sich auch in anderen Bereichen der Gefahren erst relativ spät bewusst geworden ist. Unsere Gesellschaft, die Welt an sich, verändert sich rasend schnell. Neue Technologien eröffnen viele Chancen, können aber auch als Bedrohung verstanden werden. Ähnlich ist es im Bereich der Drohnen. Man ist jetzt aufgeschreckt von zwei, drei öffentlichkeitswirksamen Aktionen und beginnt erst allmählich zu entdecken, wie unvorbereitet man ist. Ziel muss es sein, immer einen Schritt voraus zu sein, was zugegebenermaßen nicht einfach ist.

Wo stehen wir bei der Bestandsaufnahme?

Drogenkurier: Eine Drohne mit 3 Kilo Crystal Meth an Bord stürzte kürzlich nahe der US-Grenze in Tijuana ab.

(Bild: Policia Tijuana)

Helmut Spahn: Wir kannten ja bisher den Begriff Drohne ausschließlich aus dem militärischen Bereich. Durch die technische Weiterentwicklung gibt es heute aber zivile Drohnen aller Art, die für Freizeitzwecke frei im Handel erhältlich sind. Die sind bei einem Gewicht unterhalb von fünf Kilo komplett von Zulassungen ausgenommen. Die Frage ist: Kann es bei solchen Regelungen bleiben? Wie kann ich das kontrollieren? Und was kann so eine Drohne transportieren? Ich muss ja auch in Betracht ziehen, dass es sich nicht nur um eine Flagge handeln kann, sondern auch um Sprengstoff oder biologisch-chemische Substanzen. Das ist eine Bedrohung, die ernst zu nehmen ist.

Brauchen wir mehr Reglementierung?

Helmut Spahn: Wenn man sich die Berichterstattung anschaut, dann wird da im Drohnen-Bereich von einem Milliardengeschäft gesprochen. Also wird es natürlich Lobbyarbeit geben von denen, die solche Fluggeräte vertreiben und die auf Freiheitsrechte pochen. Die Frage, die man sich nun stellen muss, ist aber: Wie kann ich das rechtlich sinnvoll handhaben und steuern? Man könnte sich vorstellen, dass es ähnlich wie bei Waffen eine Besitzkarte oder eine Art Führerschein geben muss für bestimmte Modelle. Ich glaube, dass der Lage angepasste Regelungen zwingend erforderlich sind. Das gehört auf die Agenda, darüber wird man reden müssen. Das Ergebnis kann im Einzelfall dann natürlich auch sein, dass das Risiko gegen Null geht. Es kann aber auch genau andersherum sein, und dann brauchen wir Lösungsansätze.

Gibt es bereits erste Drohnen-Abwehrsysteme?

Helmut Spahn: Es gibt bereits einige Systeme, die etwa den Funkverkehr stören, so dass Drohnen nicht mehr gesteuert werden können. Aber es gibt ein Problem dabei: Wenn ich das Fluggerät nicht kontrolliert zu Boden bringen kann und es nur unsteuerbar mache, dann riskiere ich unter Umständen eine Situation, bei der der Schaden noch größer wird. (axk)

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