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Sicherheitsforscher Gaycken: "Lieber ein Cyberangriff als eine Rakete"

Der IT-Sicherheitsexperte Sandro Gaycken spricht im Interview mit Technology Review über die digitale Kriegsführung und was man gegen die gezielte Manipulation politischer Prozesse tun kann.

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Sicherheitsforscher Gaycken: "Lieber Cyberangriff als eine Rakete"

(Bild: Matt Hecht / Flickr / Public Domain)

Als einen "Kalten Krieg" im Cyberspace würde Sicherheitsforscher Sandro Gaycken die internationalen, politischen Konflikte derzeit nicht beschreiben. Dennoch stand die veränderte Bedrohungslage im Netz im Zentrum der Tagung "Defending Democracy", die in der vergangenen Woche in Berlin stattfand. Leiter des Digital Society-Instituts an der ESMT-Hochschule Berlin, Gaycken, erläutert im Interview mit Technology Review, wie Deutschland der Situation begegnen kann.

Prinzipiell hält er es für sinnvoll, die offensiven Fähigkeiten im Cyberspace weiter zu entwickeln. "Das sind – aus der Perspektive der Kriegsführung – sehr elegante, wenig eskalative und nicht-lethale Waffen", meint Gaycken. Ihm sei es lieber, ein Cyberangriff ginge irgendwo hinein als eine Rakete.

Dass ein solcher Angriff aber auch leicht die falschen Ziele treffen könne, bestätigt der Sicherheitsforscher. Insbesondere für Dritte sei es tatsächlich einfacher, "false flag"-Operationen aufzusetzen. "Das ist ein Problem, weil politische Mechanismen aus dem kalten Krieg wie die Drohung mit gegenseitiger Zerstörung nicht mehr funktionieren."

Ein anderes Problem sieht Gaycken in den "Information Operations", der gezielten Manipulation öffentlicher Meinung und politischer Prozesse. Zensur hält er aber nicht für ein geeignetes Mittel, dem entgegenzutreten. Vielmehr gelte es "journalistische Berichterstattung zu unterscheiden von Lüge und Betrug, von Nachrichtendiensten, PR-Agenturen und Lobbygruppen, die soziale Netze an ganz vielen Stellen dominieren, weil sie in der Lage sind, ihre Inhalte sehr viel attraktiver darzustellen als irgendeine Statistik von irgendeinem Bundesamt", fasst Gaycken zusammen.

Als eine Möglichkeit schlägt er beispielsweise vor, soziale Medien zu zwingen, redaktionelle Prozesse einzubauen, als Vorbedingung für einen Marktzugang. "Aber das ist eine längere Diskussion."

Das vollständige Interview mit Sandro Gaycken lesen Sie bei Technology Review online:

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