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Siemens-Einigung erhöht Druck für längere Arbeitszeiten

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Mit der Einigung auf längere Arbeitszeiten bei Siemens wächst der Druck auf die Gewerkschaften in der Diskussion um eine Senkung der deutschen Lohnkosten. Siemens-Chef Heinrich von Pierer will zwar keine Signalwirkung der Entscheidung für andere Unternehmen sehen und betont: "Das Wort Modellcharakter nehme ich nicht in den Mund." Dennoch gehen Arbeitsmarktexperten davon aus, dass sich schon bald weitere Unternehmen den Konzern zum Vorbild nehmen könnten. "Die Entscheidung hat eine sehr große Weiterwirkung auf die Metall- und Elektroindustrie", sagt der Arbeitsmarktexperte Martin Werding vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung. "Siemens betätigt sich hier als Bahnbrecher."

Ähnlich wie Siemens war in den vergangenen Monaten unter anderem der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugekonzern MAN in die Debatte um längere Arbeitszeiten zur Senkung der Stundenlöhne eingestiegen. Der zum Jahresende scheidende Vorstandschef Rudolf Rupprecht hatte angekündigt, notfalls noch selbst den "Schwarzen Peter" auf sich nehmen und entsprechende Regelungen mit Arbeitnehmervertretern durchfechten zu wollen.

Ökonomen sehen auch angesichts der EU-Osterweiterung bereits seit langem einen wachsenden Lohnanpassungsdruck nach unten. Nur so könnten Produktionsverlagerungen in Niedriglohnländer im großen Stil entgegengesteuert werden und die deutsche Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern. So liegen die Lohnkosten in den EU-Beitrittsländern nach Einschätzung des ifo-Instituts im Schnitt bei etwa 15 Prozent des deutschen Niveaus. "Letztlich muss die gearbeitete Stunde billiger werden, als sie es bisher war", sagt Werding. Die Ausdehnung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden sei ein eleganter Weg zur Durchsetzung dieses Ziels. "Das verhindert, dass die Beschäftigten weniger im Portemonaie haben." Mit dem Widerstand der Gewerkschaften müsse allerdings gerechnet werden.

In der Tat ist die IG Metall der Überzeugung, dass Regelungen für längere Arbeitszeiten die Ausnahme bleiben müssen. Wie im Beispiel von Siemens dürften solche Regelungen nur standortspezifisch getroffen werden, betont eine Gewerkschaftssprecherin. "Eine höhere Regelarbeitszeit über die 35 Stunden hinaus ist mit der IG Metall nicht zu machen." Dies wäre "beschäftigungspolitisch kontraproduktiv und ökonomisch nicht sinnvoll." (Christine Schultze, dpa) / (jk)