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Siemens VDO: Branche berichtet von Verkaufsabsichten, Vorstand dementiert

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Die Zukunft des zum Siemens-Konzern gehörenden Automobilzulieferers VDO scheint ungewisser denn je. Hieß es bislang, der Mutterkonzern plane eine Abspaltung des Geschäftsfeldes in Form eines Teil-Börsengangs, verdichten sich jetzt die Informationen, wonach Siemens einem vollständigen Verkauf der profitabel arbeitenden Automotive-Sparte den Vorzug geben könnte. Einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) zufolge hat der Münchner Konzern Kaufinteressenten bereits um konkrete Offerten gebeten. Die so genannten indikativen Angebote seien schriftlich angefordert worden, heißt es in der FTD, die sich dabei auf Branchenkreise beruft. In ersten Bekundungen hätten Interessenten Preise im zweistelligen Milliardenbereich genannt, was deutlich über dem an der Börse zu erwartenden Wert liege.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/06 hatte Siemens VDO mit weltweit rund 53.000 Mitarbeitern (davon 20.000 in Deutschland) einen Umsatz von zehn Milliarden Euro erzielt. Das Bereichsergebnis betrug 669 Millionen Euro. Neben Produkten rund um Antriebsstrang, Motorsteuerelektronik und Einspritztechnik bietet das Unternehmen auch Informations- und Car-Communication-Systeme mit Instrumentierung, Audio- und Navigationsgeräte, Telematik- und Multimedia-Anwendungen bis hin zu kompletten Cockpits an. Im VDO-Bereich "Commercial Vehicles" werden unter anderem so genannte On-Board-Units (OBUs) für Mauterfassungssysteme hergestellt. Analysten schätzen den Marktwert der gesamten Sparte auf sechs bis acht Milliarden Euro.

Als mögliche VDO-Kaufinteressenten werden in der Branche unter anderem der hannoversche Wettbewerber Continental – der im vergangenen Jahr bereits die Automotive-Sparte von Motorola übernommen hatte – sowie der Finanzinvestor Blackstone zusammen mit dem US-Autozulieferer TRW genannt. TRW gehört zu 57 Prozent zu Blackstone und ist in Deutschland bereits mit mehr als 12.000 Mitarbeitern an 19 Standorten vertreten. Zudem sei der Finanzinvestor KKR interessiert, hieß es. Auch die Beteiligungsfirmen Permira und Bain Capital gelten als mögliche Bieter. KKR und Permira hatten zuletzt gemeinsam für 3,1 Milliarden Euro die Mehrheit an der Münchner TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 übernommen.

Bei seinem Besuch auf der Hannover Messe am heutigen Montag erklärte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld unterdessen, man plane weiter einen Börsengang. "Das ist genau das, woran wir im Moment festhalten", sagte Kleinfeld. Ein Siemens-Sprecher gab bekannt, dass der Vorstand alle eingegangenen Absichtserklärungen zu einem VDO-Kauf "schon wegen seiner Sorgfaltspflichten" prüfe. Die Mitarbeiter haben derweil Angst um ihre Jobs. "Für alle der diskutierten Möglichkeiten fürchten wir einen drastischen Abbau von Arbeitsplätzen", sagte ein Sprecher der IG Metall dem Handelsblatt. Arbeitnehmerkreisen zufolge könnten bis zu 4000 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Die Werke in Stollberg bei Chemnitz und Karben bei Frankfurt am Main könnten geschlossen, das Werk in Würzburg verkauft werden. (pmz)