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Siemens schon lange über Affäre informiert

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In der Siemens-Finanzaffäre ist der Konzern bereits vor über einem Jahr über mögliche Unregelmäßigkeiten informiert worden. "Wir wissen seit dem vergangenen Jahr, dass es ein strafrechtliches Verfahren in der Schweiz gibt", sagte ein Siemens-Sprecher am Sonntag in München. Der Konzern habe daraufhin eine interne Untersuchung eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen sei. Man habe keinen Anlass gesehen, Münchner Behörden einzuschalten, da es ja das ordentliche Verfahren in der Schweiz gegeben habe. Damit wurde ein Bericht des "Spiegel" grundsätzlich bestätigt.

Die Finanzaffäre war in der vergangenen Woche bekannt geworden. Am Mittwoch durchsuchten mehr als 270 Polizeibeamte, Staatsanwälte und Steuerfahnder in einer groß angelegten Razzia die Konzernzentrale in München und insgesamt rund 30 weitere Siemens-Standorte in Deutschland und Österreich. Bei den Ermittlungen geht es um Unregelmäßigkeiten in der Siemens-Festnetzsparte Com, die derzeit aufgelöst wird.

Inzwischen wurden fünf Verdächtige verhaftet, gegen sieben weitere wird ermittelt. Unter den Verdächtigen sind auch zwei hochrangige Siemens-Manager. Einer hat inzwischen einen anderen Arbeitgeber, der andere ist Geschäftsführer einer Siemens-Tochter. Sie und die anderen Personen im Visier der Staatsanwaltschaft werden laut bisherigen Angaben verdächtigt, etwa 20 Millionen Euro veruntreut und möglicherweise im Ausland als Schmiergeld eingesetzt zu haben.

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" vermuten die Münchner Ermittlungsbehörden sogar, dass es weltweit um Bestechungsgelder in dreistelliger Millionenhöhe gehen könnte. So hätten Ermittler auf dem Konto eines Managers der Siemens-Landesgesellschaft in Griechenland 40 Millionen Euro gefunden. Kollegen in Österreich hätten zuvor bereits 60 Millionen Euro eingefroren. Zur Höhe der veruntreuten Gelder wollte sich Siemens am Sonntag nicht näher äußern. Hier müssten die Ermittlungen und die internen Untersuchungen abgewartet werden.

Siemens hatte am Freitag erste Konsequenzen gezogen und ankündigt, die internen Kontrollsysteme auf Lücken zu überprüfen und die Stelle eines Ombudsmanns einzurichten. Damit wurde eine externe Anlaufstelle geschaffen, an die sich Mitarbeiter auch anonym wenden können. Andere Unternehmen haben mit dieser Institution gute Erfahrungen gemacht. (dpa) / (se)