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Siris großer Bruder: Spracherkennung als Datenschutzproblem

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Apples Sprachassistentin Siri ist populär: Millionen Smartphone-Nutzer kommunizieren inzwischen mittels natürlicher Sprache mit ihrem iPhone. Worüber sich wohl die wenigsten Nutzer den Kopf zerbrechen: Jedes gesprochene Wort landet auf Apples Servern. Forscher mahnen nun, dass diese Aufzeichnungen Stimmprofile ermöglichen, die Strafverfolgern ebenso wie Hackern zur biometrischen Identifizierung einer Person verhelfen könnten, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.

Apple-Sprecherin Trudy Muller bestätigt, dass Spracheingaben wie die Frage: "Wie wird das Wetter heute nachmittag?" von dem Unternehmen gespeichert werden. "Diese Daten werden aber nur für Datenverarbeitung der Siri-Anwendung genutzt sowie für deren Verbesserung." Apple nehme den Schutz der Privatsphäre "sehr ernst", betont Muller. Die Fragen der Nutzer und die Antworten von Siri würden deshalb verschlüsselt übertragen, Sprachaufzeichnungen nicht mit anderen Informationen über einen Nutzer verknüpft.

Prem Natarajan von Raytheon BBN, das ein Forschungzentrum zu Spracherkennung betreibt, sieht dennoch Datenschutzprobleme. Repressive Regime könnten sich für Aufzeichnungen interessieren, wer sein Smartphone nach dem Ort einer politischen Demonstration gefragt habe. "Die Sprachaufzeichnungen werden so zum biometrischen Merkmal von Andersdenkenden", sagt Natarajan. "Als Großunternehmen oder Sicherheitsdienst würde ich diese Technologie nicht erlauben", meint auch Radu Sion, Spezialist für Cloud-Computing-Sicherheit an der Stony Brook University im US-Bundesstaat New York.

Dass ein mögliches Privacy-Problem nicht so weit hergeholt ist, zeigen schon die laufenden Versuche des US-Heimatschutzministeriums, mit Hilfe von Stimmprofilen Reisende zu identifizieren, um sie an Grenzübergängen schneller abfertigen zu können. Die Reisenden müssen immerhin vorher eingewilligt haben, dass ein Stimmprofil von ihnen verwendet wird. Möglich wäre auch, dass Staatsanwaltschaften auf die Idee kommen, Siri-Spracheingaben als Beweismittel zu sichten. Auf Nachfrage wollte sich Apple nicht dazu äußern, ob es bereits von Gerichten zur Herausgabe von Sprachaufzeichnungen gezwungen worden sei.

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(bsc)