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Technology Review

Sisyphusarbeit Plagiatsschutz

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Dienstagmorgen auf der CeBit 2010: Zwei Ermittlungsbeamte des Amtsgerichts Hannover, mit Laptop und Drucker bewaffnet, filzen Messestände, vorwiegend aus China. Dort sollen Produkte ausgestellt sein, die illegal Know-how der Konkurrenz nutzen. Hier geht es nicht um die Nachahmung schöner Schrift, sondern meistens um MP3-Player und TV-Empfänger, die patentgeschützte Algorithmen zum Abspielen der komprimierten Daten verwenden. 39 Anzeigen hat es von den Rechteinhabern vor der Messe gegeben, einige der verdächtigen Aussteller haben aber schon vorher kalte Füße bekommen und die Exponate zurückgezogen.

"Man darf nicht nur bellen, manchmal muss man auch beißen", findet Uwe Görlich, Oberstaatsanwalt und Leiter der Abteilung Schutzrechtsverletzungen bei der Staatsanwaltschaft Hannover. Die Abschreckungstaktik der letzten Jahre, in denen die Polizei kistenweise gefälschte Produkte von CeBit und Industriemesse abtransportierte, scheint zu wirken. "Die Zahl der Verstöße ist in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen", erklärt Görlich.

Doch ob es in Hannover jemals eine Industriemesse ohne einen Sondereinsatz der Staatsanwaltschaft geben wird, darf bezweifelt werden, schreibt Technology Review in einer ausführlichen Analyse zum Plagiatsproblem. Zu tief scheint das Streben nach Perfektion durch Nachahmung gerade in der chinesischen Kultur verwurzelt zu sein, zu gering dagegen der Respekt vor dem Recht auf geistiges Eigentum. Hinzu kommt der Mythos von der eigenen Rückständigkeit und der Überlegenheit des Westens, die Ideenklau gewissermaßen als einen Akt der Notwehr legitimiert.

Wie man sein geistiges Eigentum gegen Angriffe aus dem Reich der Mitte behauptet, zeigt dagegen Siemens: Der Münchener Technologiekonzern beschäftigt weltweit mehrere 100 Mitarbeiter, die den Schutz von Patenten und Marken überwachen, 20 davon in China. Das Problem: Ein Mittelständler kann sich ein solches Kontrollaufgebot kaum leisten.

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(bsc)