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Six Strikes: US-Warnverfahren bei Copyright-Verletzungen wird eingestellt

Die US-Unterhaltungsindustrie wird das 2013 zusammen mit Internetprovidern aufgelegte Programm zur Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen nicht verlängern. Die Bilanz nach vier Jahren "Copyright Alert System": Gemischt.

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Pirate Bay

The Pirate Bay, zu ihrer Hochzeit erste Anlaufstelle für heiße Ware im Netz, stand lange im Visier der Rechteinhaber. Inzwischen hat sich das Problem verlagert – auch das könnte ein Grund sein, warum die Amerikaner ihr Warnprogramm nun einstellen.

(Bild: dpa)

Das von US-Unterhaltungsbranche und Providern gemeinsam angestoßene Programm gegen Urheberrechtsverstöße durch Internetnutzer wird eingestellt. "Nach vier Jahren umfangreichen Engagements für die Information der Verbraucher wird das Copyright-Alarm-System seine Arbeit vollenden", teilte das von den US-Verbänden der Unterhaltungsindustrie und fünf großen US-Providern getragene Center for Copyright Information (CCI) am Wochenende mit.

Das Warnsystem war Anfang 2013 nach langer Vorlaufzeit und auf Druck der Copyright-Lobby etabliert worden, um den Urheberrechtsverletzungen durch File-Sharing zu begegnen. Das in Anlehnung an die vergleichbaren europäischen "Three Strikes"-Initiativen auch "Six Strikes" genannte Verfahren sah eine mehrstufige Reaktion auf wiederholte Rechtsverletzungen durch Internetnutzer vor. Für die Umsetzung war das CCI eingesetzt worden, getragen zur Häfte von den Providern und der Unterhaltungsindustrie – darunter die Verbände RIAA (Musik) und MPAA (Film).

Im Rahmen des "Six Strikes"-Verfahrens sollten Rechteinhaber die Provider auf mögliche Urheberrechtsvergehen ihrer Kunden hinweisen. Bei Erstverstößen sollten die Zugangsanbieter ihre Kunden zunächst nur ansprechen und auf die mögliche Urheberrechtsverletzung hinweisen. Die Ausgestaltung der weiteren Warnstufen blieb den Netzbetreibern überlassen. Die Provider griffen dabei zu Maßnahmen wie der Drosselung der Bandbreite oder sperrten betroffenen Kunden den Zugang zu bestimmten Seiten.

Für die ersten zehn Monate hatte das CCI noch gemeldet, dass im Rahmen der Initiative rund 1,3 Millionen Hinweise an Internetnutzer verschickt worden seien. Danach wurde es still um die CCI. Zur Einstellung heißt es nun vom CCI, das Programm habe bewiesen, "dass echter Fortschritt möglich ist, wenn Kreative, Internet-Innovatoren und Verbraucherschützer zusammenarbeiten". Das Copyright Alert System habe viele Menschen über das Problem der Urheberrechtsverletzungen im Netz und legale Alternativen aufgeklärt.

Ein Vertreter des US-Filmverbands Motion Picture Association of America (MPAA) zog gegenüber Variety hingehen ein ernüchtertes Fazit des mutmaßlich nicht ganz billigen Programms. Das Ziel, die Wiederholungstäter zu bekehren, hat das CCI wohl nicht erreicht. "Diese Wiederholungstäter befeuern die anhaltende und problematische P2P-Piraterie", sagte MPAA-Justiziar Steven Fabrizio dem Branchenblatt. Das System sei "für das Problem der Hardcore-Downloader schlicht nicht gemacht gewesen".

Während die Amerikaner ihr Warnsystem damit wieder einstellen, soll sein seit Jahren heftig umstrittenes britisches Pendant nach jahrelangen Verzögerungen in diesem Monat endlich starten. Laut einem Bericht des Branchendienstes ISP Review wollen die freiwillig beteiligten britischen Provider BT, Sky, Talk Talk und Virgin in diesen Tagen mit dem Versand erster Briefe beginnen. Darauf hatten sich die Provider mit den Rechteinhabern nach zähem Ringen bereits 2014 geeinigt. (vbr)

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