IFA

Sky bringt CI-Plus-Modul bis Weihnachten

Der Münchener Pay-TV-Sender hat sich nach einiger Bedenkzeit dazu durchgerungen, seinen Kunden ein CA-Modul anzubieten, dass sich an allen CI-Plus-zertifizierten Fernsehern und Receivern einsetzen lässt.

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Von
  • Nico Jurran

Kabel Deutschland und Astra (mit HD+) haben es vorgemacht, nun zieht Sky – nach einiger Bedenkzeit – nach: Bis Weihnachten wird der Bezahlfernsehsender seinen Kunden ein Conditional Access Module (CAM) nach der CI-Plus-Spezifikation anbieten. Dies gab das Unternehmen am heutigen Montagmorgen auf einer Presseveranstaltung am Rande der derzeit laufenden IFA in Berlin bekannt. Einen konkreten Preis für das Modul nannte Sky-CEO Brian Sullivan noch nicht.

Das CI-Plus-Modul von Sky wird sich in allen Fernsehgeräten und Receivern mit Sat-TV-Tuner und einem entsprechenden CI-Plus-Slot einsetzen lassen. Sky akzeptiert diese Geräte damit als offizielle Empfänger; bislang müssen Abonnenten bei Vertragsschluss den Besitz eines Sky-zertifizierten Receivers nachweisen beziehungsweise einen solchen von dem Sender beziehen. Für den hochdefizitären Pay-TV-Sender ist die Unterstützung von CI-Plus ein logischer Schritt, da das Angebot an solchen Geräten rapide wächst. Der Einsatz des CI-Plus-CAMs im TV spart den Kunden eine zusätzliche Settop-Box – und damit auch eine Fernbedienung. Sky-Kunden, die aktuell einen Receiver vom Pay-TV-Anbieter gemietet haben, sollen nach Angaben von Sullivan auf das CI-Plus-Modul wechseln können.

Nachdem Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) im Mai ein eigenes CI-Plus-CAM eingeführte, hatte Sky immer wieder sein Interesse an dem Zugangssystem bekundet, hielt sich aber mit konkreten Schritten bislang zurück. Daher konnten KDG-Kunden, die Sky-Kanäle über das KDG-Netz beziehen wollten, dafür auch nicht das CI-Plus-Modul des Kabelnetzproviders einsetzen. Auch dies soll sich in Zukunft ändern, allerdings liefen die Verhandlungen laut Sullivan derzeit noch. Nach dem aktuellen Stand bräuchten Kunden somit ein CI-Plus-CAM von KDG und eines von Sky, um die Kanäle beider Anbieter direkt am TV zu empfangen. Aus technischer Sicht wäre der Einsatz eines gemeinsamen Moduls kein Problem, zumal sowohl KDG als auch Sky bei CI-Plus auf NDS Videoguard als Verschlüsselungsmodul setzen.

Der Satellitenbetreiber Astra hat ebenfalls bereits ein CI-Plus-Modul für sein grundverschlüsseltes HDTV-Paket HD+ mit den HD-Fassungen von RTL, Vox, ProSieben, Sat.1, Kabel Eins und (ab November) Sport1. Würden sich Astra und Sky auf ein gemeinsames CI-Plus-Modul einigen beziehungsweise die Entschlüsselung über das jeweils andere Moduls erlauben, gäbe es erstmals eine gemeinsame Empfangslösung für beide Angebote. Bislang benötigt man zwei Receiver, ein HD+- und ein Sky-zertifiziertes Gerät. Allerdings gibt es hier eine technische Hürde: Das CI-Plus-CAM von HD+ unterstützt lediglich einen Nagravision-Dialekt, nicht aber das von Sky bei CI-Plus eingesetzte NDS Videoguard. Auch hier stünde Sky laut Sullivan noch in Verhandlungen. Aktuell gestalte sich die Lage aber so, dass sich HD+-Kanäle zunächst nicht mit dem neuen Sky-Modul empfangen lassen.

Zu erklären ist Skys bisherige Zurückhaltung bei CI-Plus zum einen damit, dass sich die Hotline des Unternehmens auf die Nachfragen von Kunden mit CI-Plus-Gerät vorbereiten musste. So lassen sich bei einer Reihe von Sky-zertifizierten Receivern während der Fußball-Bundesliga-Übertragung auf Sky Sport die einzelnen Partien über die Optionstaste auf der Fernbedienung aufrufen, während bei den aktuellen TVs mit CI-Plus-Slot diese Taste fehlt oder mit einer anderen Funktion belegt ist. Die Sky-Hotline muss diesen Kunden nun erklären, wie sich bei ihrem jeweiligen TV-Modell die Unterkanäle aufrufen lassen.

Zudem würden Skys Inhaltelieferanten, darunter die Hollywood-Studios, dem CI-Plus-Modul laut Sullivan kritisch gegenüber stehen. Der CEO bestätigte heise online auf Nachfrage, dass bei der Ausstrahlung der Sky-Kanäle wahrscheinlich das No-Copy-Flag gesetzt werde. Dieses Flag im TV-Datenstrom weist CI-Plus-zertifizierte Receiver an, Aufnahmen zu unterbinden. Was dies in der Praxis konkret bedeuten kann, sieht man heute bereits bei HD+-Aufzeichnungen: Jeder HD+-Mitschnitt (unabhängig ob von einem Sender der RTL- oder der ProSiebenSat.1-Gruppe) wird dort automatisch mit einem Zeitstempel und einem "Verfallsdatum" versehen, sodass dem Anwender nur 90 Minuten für die Wiedergabe der gesamten Aufnahme bleiben. Wer also beispielsweise 100 Minuten nach Beginn der Aufnahme mit der Wiedergabe beginnt, kann die ersten 10 Minuten nicht mehr anschauen. Letztlich dient die Festplatte eines CI-Plus-Recorders damit nur noch als Timeshift-Puffer; eine Archivierung von HD+-Aufnahmen ist ausgeschlossen. (nij)