Skype-Gründer basteln an TV-Projekt

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Niklas Zennström und Janus Friis basteln an etwas Neuem. Die beiden Väter von Kazaa und Skype entwickeln eine Plattform zur Verteilung von TV-Sendungen und Videos über das Internet. Das berichtet das US-Magazin Business Week unter Berufung auf Quellen aus dem Dunstkreis des Projekts. Danach haben die beiden Internet-Pioniere ein Team von Software-Entwicklern zusammengestellt, das an mehreren Standorten auf dem Globus arbeiten soll, darunter New York, London und Venedig. Das geheimnisvolle Unterfangen läuft intern unter dem Codenamen "The Venice Project". Die Stadt mit den vielen Kanälen ist also Namenspate des neuen Projekts. Worum es sich bei dem neuen Dienst genau handeln soll, ist jedoch noch unklar. Eine offizielle Ankündigung könnte jedoch schon im Herbst dieses Jahres erfolgen.

Offenbar möchten Zennström und Friis die rechtlichen Konsequenzen, mit denen Kazaa zu kämpfen hatte, von vornherein ausschließen. Die Business Week will erfahren haben, dass die Teams bereits Gespräche mit Fernsehsendern führen. Über den Gegenstand dieser Konsultationen und mögliche Ergebnisse ist noch nichts bekannt. Ziel soll der Aufbau einer TV-Sendeplattform für das Internet sein, mit Produzenten und Rechteinhabern von Anfang an im Boot.

Die beiden Skype-Gründer arbeiten offenbar mit der Zustimmung der neuen Konzernmutter eBay an dem Projekt. eBay hatte Skype im September 2005 für über drei Milliarden US-Dollar (2,4 Milliarden Euro) übernommen. Die eBay-Führung habe die beiden immer ermutigt, neue Wege auszuprobieren, erklärte ein Sprecher gegenüber Business Week. Die beiden Skandinavier bleiben bei Skype und entwickeln "Venice" parallel zu ihrer Arbeit dort. Während Zennström außer Geld nicht viel mehr investiert als strategische Entscheidungen, soll Friis bis zu einem Fünftel seiner Arbeitszeit in das neue Projekt stecken können. Auch Friis arbeitet nur an der Entwicklung, für das eigentliche operative Geschäft sollen neue Mitarbeiter eingestellt werden. Eine Beteiligung von eBay wäre möglich, ist aber noch nicht entschieden. Bisher wollte eBay das Projekt auch nicht kommentieren. Eine TV-Plattform, auf der die Nutzer auch untereinander mit Videos handeln können, würde für das Online-Auktionshaus durchaus Sinn machen.

Bei TV-Networks und Produzenten könnten die beiden Filesharing-Experten auf offenere Ohren stoßen als in der Filmindustrie, die sämtliche Entwicklungen im Internet (und insbesondere Filesharing-Netzwerke wie Kazaa und Konsorten) komplett verschlafen hat. Immer mehr Sender entdecken den digitalen Vetrieb ihrer Programme über das Internet. Große US-Networks wie ABC experimentieren bereits mit Prime-Time-Programm, das zeitversetzt im Internet ausgestrahlt wird. Allerdings sind sie nicht allein auf dem Markt. Zahlreiche Unternehmen versuchen, sich mit Video-on-Demand oder Internet Broadcasting zu etablieren. Aber das muss kein Hindernis sein. Skype ist auch nicht das einzige Unternehmen gewesen, das 2003 auf IP-vermittelte Telefonate setzte. (vbr)