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Skype-Übersetzungsfunktion auch von Menschen ausgewertet

Auch bei Microsoft kommt ans Licht, dass Mitarbeiter Audioaufnahmen von Nutzerinteraktionen zu hören kriegen. In diesem Fall beim Skype Translator.

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(Bild: Denys Prykhodov/Shutterstock.com)

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Aufzeichnungen von Anrufen mit dem Microsoft-Dienst Skype, bei denen die automatische Übersetzungsfunktion Skype Translator genutzt wurde, können laut einem Medienbericht nachträglich auch von Mitarbeitern angehört werden. Dabei kann es auch um sehr private Themen gehen, wie das Online-Magazin Motherboard am Mittwoch schrieb. Auf Mitschnitten, die die Journalisten erhalten haben, hätten Leute zum Beispiel über intime Dinge wie Beziehungsprobleme oder Gewichtsverlust gesprochen.

Der Motherboard-Bericht stützt sich dabei auf einen Insider, der für Microsoft als Dienstleister Aufnahmen analysiert. Solche Mitarbeiter kriegen demnach Übersetzungsvorschläge des Systems zu den Aufnahmen gezeigt und sollen den akkuratesten bestimmen – oder per Hand einen besseren liefern. Das Ganze soll der Verbesserung der Übersetzungen dienen. Die meisten Audio-Schnipsel, die die Journalisten zu hören bekamen, waren 5 bis 10 Sekunden lang, es gebe laut dem Informanten aber auch längere Aufnahmen.

In der FAQ des Skype Translators zum Thema Datenschutz wurde bisher nicht ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch Menschen Aufnahmen aus der Übersetzungsfunktion zu hören bekommen könnten – auch wenn einige Formulierungen dies andeuten. So heißt es in der englischen Fassung (Übersetzung von heise online), dass "Sätze und automatische Abschriften analysiert werden“ und eventuelle Korrekturen ins System eingetragen würden.

Die deutsche Fassung der FAQ bietet dem Nutzer in der Frage leider Kauderwelsch: "Mit denen die Übersetzung und Speech Recognition Technologie Hier erfahren Sie, und wachsen, Sätze und automatische Protokolle analysiert und alle Korrekturen in unserem System, um weitere leistungsfähige Dienste erstellen eingegeben werden.“ Laut Microsoft eine maschinelle Übersetzung. Auch die Datenschutzerklärung des Unternehmens sagt nicht konkret, dass Menschen die Aufnahmen zu hören bekommen.

Skype betonte auch, dass die Identität der Gesprächsteilnehmer dabei weggelassen werde. Nur Gespräche mit der Übersetzungsfunktion würden aufgezeichnet. Der zu Microsoft gehörende Videochat-Dienst bietet die automatische Übersetzung von Gesprächen fast in Echtzeit seit 2015 an. Inzwischen ist sie bei Anrufen für acht Sprachen verfügbar. Der Dienst basiert auf einer Machine-Learning-Plattform, die sowohl Spracherkennung wie die automatische Übersetzung als auch die Sprachsynthese übernimmt. Neben der synthetischen Sprachausgabe gibt es auch Transkripte des Gesprächsverlaufs.

Dem Informanten von Motherboard zufolge hören sich Dienstleister zum Teil auch Mitschnitte von Sprachbefehlen an Microsofts Assistenzsoftware Cortana an. In den vergangenen Monaten waren die Microsoft-Konkurrenten Amazon, Apple und Google unter massive Kritik geraten, weil sie Nutzer nicht auf diese Praxis hinwiesen.

Inzwischen setzten Google und Apple die Auswertung von Aufzeichnungen zur Verbesserung ihrer Sprachassistenten aus. Gegen Google leitete der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar vergangene Woche ein Verwaltungsverfahren wegen dieser Mitschriften von Nutzerinteraktionen ein. Caspar äußerte "erhebliche Zweifel", ob diese Praxis mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbar ist. Amazon wiederum bietet Nutzern die Möglichkeit, einer solchen Verwendung von Mitschnitten zu widersprechen. Apple kündigte an, Nutzer künftig ausdrücklich um Zustimmung dazu zu bitten.

Microsoft erklärte in einer Stellungnahme an Motherboard, man erhalte eine Erlaubnis der Nutzer vor der Sammlung und Verwendung ihrer Daten. Bei den Aufnahmen gebe es keine identifizierenden Informationen etwa zu Namen oder verwendeten Endgeräten. Die Partner seien an strikte Vertraulichkeitsvorgaben gebunden, die Audio-Daten seien auch nur über ein sicheres Online-Portal zugänglich.

"Die Tatsache, dass ich einige dieser Daten mit euch teilen kann, zeigt doch, wie lax Microsoft den Schutz der Nutzerdaten handhabt“, zitiert Motherboard hingegen seinen Informanten. Dem Bericht des Online-Magazins zufolge sollen die Mitarbeiter, die die Audioschnipsel begutachten, eventuell auch im Homeoffice arbeiten können – Stellenanzeigen würden das zumindest nahelegen. (Mit Material der dpa) / (axk)