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Slashdot muss Beitrag über Scientology löschen

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Am gestrigen Freitag meldete das Nachrichten- und Diskussionsforum Slashdot eine Premiere, die die Betreiber wohl lieber nicht erlebt hätten: Zum ersten Mal musste das 1997 gegründete Internet-Angebot, dass sich zu einem der wichtigsten Sprachrohre der Open-Source-Szene entwickelt hat, einen bereits veröffentlichten Beitrag nachträglich wieder entfernen.

In einer Mitteilung zu dem Vorfall erklärt Rob Malda, Gründer von Slashdot und im Netz auch als CmdrTaco bekannt, dass am Samstag vergangener Woche ein anonymer Leser einen Beitrag gepostet hatte. Dieser enthielt einen Text, auf den Scientology das Copyright hält. Scientology beansprucht für sich selbst Kirchenstatus, den die Organisation von der US-Steuerbehörde auch erhalten hat. In Deutschland gilt Scientology dagegen nicht nur bei Sekten-Experten als Vereinigung mit undemokratischen Zielen.

Bei dem auf Slashdot beanstandeten Text handelte es sich nach Angaben von Malda um ein Scientology-Dokument mit dem Namen OT III. Teile davon sind auch als Fishman Affidavit bekannt.

Scientology forderte nach der Veröffentlichung des Beitrags von Slashdot, dass der Text wieder entfernt werden müsse. Laut Malda berief Scientology sich auf ihr Copyright und den Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Nach diesem US-Gesetz müssen Anbieter, die von Copyright-Verletzungen Kenntnis erhalten, diese unterbinden. "Slashdot ist ein offenes Forum und wir ermutigen freie Diskussionen und das Teilen von Ideen", betont Malda. Die Anwälte von Slashdot hätten aber argumentiert, dass, unter Berücksichtung aller juristischen Aspekte des Falls, der Kommentar entfernt werden müsse. Andernfalls würde Slashdot eine juristische Auseinandersetzung riskieren, die im günstigsten Fall teuer wäre, im schlimmsten Fall zu einer zeitweisen oder permanenten Schließung führen könnte.

"Das ist ein schlimmer Präzedenzfall und ein Schlag gegen die Redefreiheit, die wir alle in diesem Forum genießen. Aber es sieht einfach so aus, dass wir diesen Fall nicht gewinnen können", erklärt Malda das Vorgehen von Slashdot. "Wir müssen uns unsere Kämpfe aussuchen, und dies ist keiner, den wir haben wollen." Gleichzeitig gibt Malda Hinweise darauf, wo der von Scientology inkriminierte Text im Web zu finden ist – der gelöschte Beitrag wurde durch eine Sammlung von nicht urheberrechtlich geschütztem Material ersetzt, das über Scientology informiert. Auch den Zugang zu dem beanstandeten Scientology-Dokument erklärt Malda: Praktisch alle Suchmaschinen werfen entsprechende Fundstellen aus. (jk)