Smart Farming: mit intelligenter Maschine und Drohne übern Acker

Intelligente Landmaschinen sammeln zusammen mit Drohnen Daten über den Zustand der Pflanzen auf dem Feld, um bessere Erträge herauszuholen.

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Drohnen unterstützen Landwirte bei der Bewirtschaftung von Nutzflächen.

(Bild: DLG, S. Pförtner)

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Wenn Florian Potthast mit seiner Zugmaschine GPS-gesteuert über den Acker fährt, flackern Zahlenreihen und Grafiken über die Displays an Bord. Sitzt man in seinem riesigen Schlepper, wirkt es wie im Hightech-Cockpit. Für den Landwirt aus Nordrhein-Westfalen sind die drei Touchscreens zu seiner Rechten zentrales Element. Dass der Traktor mitsamt schwerer anhängender Maschine die exakte Fahrspur nimmt, wo genau wie viel Dünger aus welchen der Dutzenden Schläuchen abgegeben wird – das alles steuern spezielle Programme. Und die sind gut gefüttert mit Daten etwa zum Wachstum der Pflanzen oder zur Beschaffenheit des Bodens.

Wichtige Informationen erhält Potthast auch aus der Luft, wie er erklärt. Denn mit einer Drohne fliegt er die Felder ab, und die liefert hochauflösende Bilder. So kann etwa Trockenheit oder Schädlingsbefall an einzelnen Stellen erkannt werden: "Wo ist der Boden besonders nass, wo sind sandige Ecken, an welcher Stelle wachsen die Pflanzen am besten, wo ist der Standort weniger gut – aus solchen gesammelten Daten erstelle ich Applikationskarten", schildert der 33-Jährige. Die trägt er auf dem Handy immer mit sich. Potthast baut Wintergerste und -weizen an, Silomais, Zuckerrüben, Ackerbohnen. Und eine Biogas-Anlage gehört zum Hof im ostwestfälischen Marienmünster bei Höxter.

"Der Schlepper, die Düngemaschine, der Mähdrescher – alle Maschinen sammeln laufend Daten." Daraus kann der Landwirt seine Rückschlüsse ziehen – und gezielt agieren, wenn Pflanzen krank sind, gespritzt oder nachgedüngt werden muss. Die Saatgutmenge lässt sich akkurat bemessen und an den optimalen Stellen ausbringen. "Gut für die Umwelt und für unseren Geldbeutel", fasst Potthast die Vorteile des "Smart Farmings" zusammen. Mit ausgefeilter Software und Technik präzise und bedarfsgerecht zu sähen, wässern und düngen, wirke sich positiv auf den Ertrag aus. Und er spare bis zu 15 Prozent Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Dünger.

Die Digitalisierung in der Landwirtschaft läuft. In der Tierhaltung ist man schon weiter als im Pflanzenbau, sagt Experte Burkhard Wrenger von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (Lemgo). Er leitet dort den bundesweit ersten Studiengang "Precision Farming" – präzise Landwirtschaft mithilfe von digitaler Technik, intelligenten Maschinen, GPS, Sensoren und Robotersystemen. Während im Stall das Füttern und Melken mancherorts schon vollautomatisch laufe, sei auf dem Feld noch viel Luft nach oben, erläutert Wrenger. Mit seinen Studenten, die Agrarwissenschaft, Landmaschinentechnik und IT lernen, kommt Wrenger auch gerne zum Potthast-Hof.

Noch nicht viele Landwirte im Pflanzenbau sind so digital unterwegs wie Florian Potthast – von 10 bis 20 Prozent bundesweit geht Wrenger aus. Technisch machbar sei schon sehr viel mehr als in der Praxis auf dem Acker angewendet werde. So habe ein Hersteller jüngst einen völlig autonom fahrenden Traktor vorgestellt. Und: "In China werden schon seit Jahren Drohnen eingesetzt, die geschädigte Pflanzen erkennen und selbstständig je nach Krankheitsdruck die nötige Menge Pflanzenschutzmittel ausbringen." In Deutschland seien sie bisher nicht verbreitet.

Großes Potenzial sehen Wrenger und Potthast auch für einen Feldroboter, der Unkraut selbst erkennt und auszupft. Der werde wohl in den nächsten Jahren marktreif. Allerdings sei das Umsteuern auf eine Landwirtschaft 4.0 mit hohen Kosten verbunden. "Die Technik ist recht teuer. Wir haben uns mit unseren Maschinenparks mit mehreren Betrieben zusammengetan", sagt Potthast.

Die Abläufe auf den zunehmend vernetzten Höfen ändern sich. Ebenso das Berufsbild, glaubt Uta Wilkens vom Institut für Arbeitswissenschaft an der Uni Bochum. Sie ist beteiligt an einem neuen, vom Bund geförderten Projekt zur digitalen Transformation im Pflanzenbau. Die zu klärenden Fragen: Wie genau wandelt sich die Arbeitswelt künftig, wo stehen die Betriebe auf dem Weg zur digitalen Landwirtschaft. Und wie sieht es aus mit ihren Kompetenzen, welche Schulungen sind nötig?

Auch die Möglichkeiten der Feldrobotik werden dort untersucht. Forscherin Wilkens ist überzeugt, dass diese künftig eine größere Rolle spielen wird. Hoher Ertrag für die Betriebe sei das Ziel, ebenso Ressourcenschonung sowie weniger Chemikalien und Düngung. Eine Chance auch, wenn man an den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat oder die gerügte hohe Nitratbelastung im Grundwasser durch Überdüngung denke. "Die Landwirtschaft der Zukunft könnte stärker in Richtung ökologische Bewirtschaftung gehen."

Die Bauern zudem werden entlastet. "Man geht ganz anders raus aus so einem langen Tag. Es ist weniger Stress, als wenn man alles händisch machen muss", sagt Potthast. "Etwas Spaß an digitaler Technik muss man schon haben. Man sollte offen sein für Neues. Betriebswirtschaftlich lohnt es sich auf jeden Fall."

Weitere Infos zum Thema "Smart Farming":

(olb)