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Smart Garden: Der Garten pflegt sich selbst

Nach dem Haus wird inzwischen auch der Garten smart. Mit diesem Schwerpunkt wollen wir zeigen, wie viel Automatisierung bereits möglich ist.

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(Bild: kram9/Shutterstock.com)

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Wer Smart Home sagt, meint damit meist die Lampen in den eigenen vier Wänden oder den Staubsaugerroboter. Mit dem Garten vor oder hinter dem Haus wird der Begriff hingegen nur selten in Verbindung gebracht: Die Pflanzen gießt man mit der Hand, den Rasenmäher schiebt man ebenfalls selbst. Die oftmals einzige Automatisierung zwischen Terrasse und Zaun ist die antik wirkende Zeitschaltuhr für die Gartenillumination. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nur wenig verändert – schon der Tausch des Stromkabels gegen einen Akku gleicht einer Revolution.

Schwerpunkt: Smart Garden

Denn wo drinnen nicht viel mehr als der Tausch des Leuchtmittels nötig ist, um aus einer dummen Leuchte eine intelligente zu machen, sind zwischen Terrasse und Zaun viel mehr Handgriffe nötig. Das ist aber nicht nur mit einem höheren Zeitaufwand gleichzusetzen, sondern führt oftmals auch – zumindest anfangs – zum Gegenteil des gepflegten Gartens. Denn bevor draußen etwas smart wird, heißt es Zeit und Arbeitskraft investieren – was durchaus lohnenswert sein kann.

Mit diesem Schwerpunkt wollen wir beleuchten, welche Bedingungen erfüllt sein müssen und mit welchem Aufwand die einzelnen Aspekte der Automatisierung verbunden sind. Unter anderem zeigen wir, welche Vor- und Nachteile mit ober- und unterirdisch verlegtem Begrenzungsdraht verbunden sind, wie weit man mit fertigen Lösungen für die automatische Bewässerung kommt und welche Lösung für die Verteilung des Netzwerks im Garten am geeignetsten ist. Auch an Indoor-Gärtner wird gedacht: Nach und nach kommen Lösungen für die smarte Kräuterzucht in den Handel, die in der Küche Platz finden und den grünen Daumen überflüssig machen.

Allein für Beetpflanzen, Stauden und Bäume wurden in Deutschland im Jahr 2016 knapp 4 Milliarden Euro ausgegeben, wie der Bundesverband Einzelhandelsgärtner berichtet. Hinzu kommen hohe Beträge, die in Werkzeuge, Außenmöbel und Gestaltung fließen. Entsprechend ist es keine Überraschung, dass die Bestandsaufnahme startet, wenn die Temperaturen in frühlingshafte Bereiche steigen. Haben Pflanzen, Töpfe und der Gartenschuppen den Winter gut überstanden? Auch neue und alte Pläne werden aus der Schublade geholt: Soll dieses Jahr ein Stück Rasen für ein insektenfreundliches Blumenbeet weichen? Müssten nicht die in die Jahre gekommenen Leuchten ausgetauscht werden?

Der Begriff Smart Garden fällt in diesem Zusammenhang dabei noch selten. Gründe hierfür gibt es abseits des größeren Aufwands viele. Schon die erste Kontaktaufnahme gestaltet sich schwierig: Die zentrale Anlaufstelle, der Baumarkt, tut sich schwer mit der Umstellung des Sortiments. Hersteller, die nicht originär im Gartenkosmos unterwegs sind, wollen ihre Produkte nicht zwischen Blumenerde und Schubkarren präsentiert sehen. Dem gegenüber stehen Unternehmen, die mit der Produktion von Schaufeln und Gartenpumpen groß geworden sind, die man aber nicht mit smarter Technik in Verbindung bringt. Gardenas Bewässerungsautomatik und Mähroboter sind entsprechend selbstverständlich in den entsprechenden Baumarktabteilungen zu finden. Aber haben Sie schon mal versucht, dort einen gartenauglichen WLAN-Repeater zu finden?

Dabei könnte der Fachhandel eine wichtige Rolle spielen, auch wenn es zunächst nicht naheliegend ist: Wer im Frühjahr mit der Umgestaltung des Gartens beginnen will, schafft damit die ideale Voraussetzung für das eigene smarte Grün. Denn der Wechsel vom dummen zum nicht mehr ganz so dummen Garten ist nicht selten mit Buddelei verbunden. Warum also nicht das Umgraben des Beets für das Verlegen von Infrastruktur nutzen? Denn eine solche ist für viele Teile des smarten Gartens erforderlich, wenn auch in unterschiedlicher Form.

Damit dürfte man vor allem die überraschen, die mit einem Mähroboter liebäugeln, sich aber noch nicht näher mit dem Thema beschäftigt haben. Die Vorstellung, irgendwo eine Ladestation zu installieren und den Roboter „dann mal machen lassen“, hat mit der Realität wenig zu tun. Zwar werden Modelle erprobt, die ohne Erkennungsdraht auskommen, bis dahin kommt man ohne einen solchen aber nicht aus. Im Vorteil ist dabei derjenige, der eine rechteckige Fläche pflegen lassen möchte. In anderen Fällen könnte der Aufwand den Vorteil überwiegen – zumal einem der Roboter nicht die ganze Arbeit abnimmt. Nicht nur zu Beginn der Saison sollte der Gartenliebhaber zum Handmäher greifen, auch das Trimmen der Ränder nimmt einem der kleine Helfer nicht ab.

Dass Vorarbeiten notwendig sind, ist beim automatisierten Bewässern hingegen unübersehbar. Auch der Vorteil liegt auf der Hand: Statt umständlich mit dem Gartenschlauch im Blumenbeet zu hantieren oder schwere Gießkannen vom Wasserhahn oder dem Regenfass zur Pflanze zu transportieren, überlässt man der smarten Alternative die Arbeit. Das sorgt nicht nur für etwas mehr Freizeit im Garten, sondern kann auch den Wasserverbrauch reduzieren. Die – im wahrsten Sinne des Wortes – verschwenderische Verteilung nach dem Gießkannenprinzip wird durch die punktgenaue Bewässerung ersetzt. Bis der erste Tropfen jedoch an der Wurzel ankommt, ist viel Vorbereitung notwendig. Reicht das vorkonfektionierte System aus? Gilt es nur Beete oder auch große Rasenflächen zu bewässern? Können die Leitungen in alle notwendigen Bereiche problemlos verlegt werden oder stellt die gepflasterte Einfahrt ein Problem dar?

Wenn schon das Rasenmähen und Bewässern dank moderner Technik automatisiert erfolgen kann, warum dann nicht auch die Beleuchtung? Zwar können Bewegungs- und Dämmerungssensoren schon für ein wenig Intelligenz sorgen, doch in Zeiten von Hue und vergleichbaren Produkten ist viel mehr möglich. Farbe und Intensität lassen sich an den Sonnenstand anpassen, bestimmte Lampen zu Gruppen zusammenschalten oder auch komplexere Zeitschaltungen anlegen.

Der Funktionsumfang der einzelnen Systeme schwankt, eines haben aber fest alle gemeinsam: eine proprietäre Lösung für die Energieversorgung. Transformator, Leitung und Leuchten sind hier oftmals nicht fest miteinander verbunden, was eine hohe Flexibilität der Entfernungen zwischen den einzelnen Komponenten erlaubt. Dank Kleinspannung enden durch das verlegte getriebene Spaten nicht mit tödlichen Stromstößen. Dem gegenüber stehen vor allem die hohen Preise. Und wer mehr als nur eine handvoll derartiger Leuchten aufstellen will, muss in vielen Fällen mehr als nur einen Stromkreis installieren – was die Kosten weiter nach oben treibt. So verlangt Philips für ein 5 Meter langes, zu den Hue-Außenleuchten kompatibles Verlängerungskabel etwa 15 Euro. Ein gleichlanges Standardverlängerungskabel für den Außeneinsatz kostet im Baumarkt hingegen nur ein Drittel.

Umfasst das Grundstück mehr als nur 600 oder 700 Quadratmeter oder sind die baulichen Voraussetzungen nicht optimal, rückt auch das Thema WLAN im Garten in den Mittelpunkt. Denn das smarteste System arbeitet nicht, wenn es keine Verbindung aufbauen kann.

Einige wenige Hersteller von Netzwerkinfrastruktur haben dieses Problem bereits erkannt und bieten entsprechende Repeater und Access Points an – oder behaupten zumindest, dass diese für den Außeneinsatz geeignet sind. Entscheidend ist jedoch, dass der lokal übliche Temperaturbereich abgedeckt wird und auch der versehentliche Beschuss mit dem Gartenschlauch keine Schäden nach sich zieht.

Doch auch der Standort spielt eine Rolle. Der beste Repeater bringt nichts, wenn er das zu verstärkende Netz gar nicht erst findet oder das Ausgangssignal zu schwach ist. Hier kann die Umplatzierung des Routers im Haus helfen, eine Alternative wäre das Verlegen von LAN-Kabeln im Garten. Von derartigen Lösungen profitiert aber nicht nur die Smart-Garden-Technik, auch das Surfen in der Hängematte macht dann unter Umständen mehr Spaß.

Zum Thema Daten im Garten gehört aber nicht nur die Verbindung der einzelnen Geräte untereinander, sondern auch das grundlegende Sammeln von Informationen und deren Verwendung. Denn smart wird ein Gerät nicht durch die Anbindung an eine App oder die Steuerung per Bluetooth. Es ist äußerst unpraktisch, wenn der Mähroboter und die Bewässerungsautomatik gleichzeitig mit der Arbeit beginnen. Letztere sollte zudem wissen, dass das Bewässern am Vormittag überflüssig ist, wenn es am Nachmittag regnen soll.

Während das erste Beispiel im Idealfall intern gelöst werden kann, da die beiden Komponenten direkt miteinander kommunizieren, zeigt das zweite, wie löchrig der smarte Garten ist. Zwar können viele Systeme auf Wetterberichte oder Wetterstationen für den Hausgebrauch zugreifen, doch die Nutzung dieser Daten ist ebenso oft unbefriedigend. So scheitern sie schon an komplexeren, aber durchaus praxisnahen Wenn-Dann-Regeln unter Berücksichtigung von mehr als nur zwei oder drei Variablen (Bewässere, wenn der Bodensensor eine zu geringe Feuchtigkeit misst und die Regenwahrscheinlichkeit in den kommenden fünf Stunden geringer als 30 Prozent ausfällt und aktuell niemand im Garten und der Mähroboter derzeit nicht aktiv ist) – selbst wenn alle Daten zur Verfügung stehen würden.

Hier zeigt sich, dass die Hersteller von Smart-Garden-Technik noch nicht so weit sind wie die Kollegen im Bereich Smart Home. In letzterem hat sich die Erkenntnis, dass Insellösungen der falsche Weg sind und die Attraktivität reduzieren, bereits weitestgehend durchgesetzt. Im Garten darf man hingegen froh sein, wenn eine der drei großen Plattformen – Apple HomeKit, Amazon Alexa, Google Assistant – oder aber Dienste wie IFTTT unterstützt werden. (pbe)