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Smart Home: Datenschützer warnt vor Big Brother im Haus

Das "intelligente Haus" warte mit einer "Vielzahl positiver technischer Entwicklungen" auf, schreibt der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix in seinem Jahresbericht 2013. Es berge aber auch gravierende Risiken.

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Die zunehmende Vernetzung des Heimbereichs beschere dem Nutzer viele Vorteile, stellt der Berliner Datenschutz-Beauftragte, Alexander Dix, in seinem am Mittwoch veröffentlichten aktuellen Tätigkeitsbericht fest. Im "Smart Home" würden aber auch immer mehr persönliche, bisher als "sicher" geltende Daten erfasst, was große Gefahren für die informationelle Selbstbestimmung mit sich bringe.

Der Einzug von Smart TVs in die eigenen vier Wände bringt auch den "Big Brother" ins Heim, moniert Datenschützer Dix.

(Bild: dpa, Yonhap/Archiv)

Die eigenen vier Wände könnten einer möglicherweise durch die in Smart-TVs eingebauten Kameras und Mikrofone überwacht) werden, warnt Dix. Dieses Thema habe vor dem Hintergrund der $(LEhttp://www.heise.de/thema/NSA:massiven geheimdienstlichen Spionageaktivitäten eine "zusätzliche Dynamik" erhalten. In vielen Geräten ließen sich die potenziellen Überwachungshelfer zwar deaktivieren, aber nicht in allen. Verbrauchern empfiehlt er, durch ihr Kaufverhalten Druck auszuüben.

Weiter greift der Datenschützer ein Szenario aus dem Bereich des intelligenten Hauses auf: Ein Bekannter eines fiktiven Ehepaars kündigt sich unerwartet über das Telefon an und gibt seinen aktuellen Standort bekannt. Über eine Steuerungssoftware auf dem häuslichen Tablet-PC ermittelt, wann er voraussichtlich eintreffen wird. Anhand der über Sensoren erfassten Lebensmittelvorräte im Kühlschrank und der vorhandenen Dekorationselemente unterbreitet das System Vorschläge für Rezepte- und Tischschmuck.

Dabei sei zu beachten, dass sich Sensoren im Kühlschrank und zumindest partiell auch in Schränken Sensoren befinden müssten, um die Daten erfassen zu können. Diese würden an einen oder sogar mehrere Anbieter in das Internet übertragen, damit Vorschläge ermittelt werden können. Da sich diese in der Regel über Werbung oder die Vermarktung der gelieferten Nutzerdaten finanzierten, würde ein Dienstleister die Daten des Paares sicher weitergeben.

Die möglichen Folgen erläutert Dix durch ein vergleichbares Beispiel im Gesundheitsbereich. Derzeit würden vernetzbare Fitnessgeräte entwickelt, die zusammen mit dem Smartphone "zu einem digitalen Gesundheitsmanager werden, bei dem Blutzucker, Temperatur, Gewicht, Blutdruck und Puls einfach und schnell erfasst, ausgewertet und gespeichert werden können", heißt es in dem Bericht. Würden die einzelnen Daten mit anderen Informationen zusammengeführt, ergäbe dies ein "erschreckend klares Gesamtbild des Einzelnen".

Eng verwandt mit dem vernetzten Heim sei "Smart Metering", schreibt Dix. Ein System, das über einen intelligenten Zähler den tatsächlichen Verbrauch von Strom, Wasser oder Gas und die Nutzungszeit misst, könne dem Endverbraucher den Energie- und Ressourcenverbrauch zwar transparenter machen und verbrauchssenkende Maßnahmen vorbereiten. Auch dabei sei aber zu beachten, dass der Einzelne über die erhobenen Daten selbst frei bestimmen können müsse.

Sorgen bereitet Dix auch das vernetzte Auto und Ortungsstechniken wie eCall in Pkws. Er verweist darauf, dass Bewerungsprofile erstellt werden können, wenn Fahrzeugstandorte permanent überwacht werden. Grundsätze zur Datenvermeidung und -sparsamkeit sowie ein Mindestmaß an Transparenz seien deshalb bei der Entwicklung solcher Systeme zu berücksichtigen.

(Stefan Krempl) / (axk)

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