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Smartphone-Boom zwingt Orange Austria zu Strategiewechsel

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Der drittgrößte österreichische Mobilfunk-Netzbetreiber Orange Austria will die Flächendeckung seines 3G-Netzes deutlich erhöhen, um zu den beiden führenden Mobilfunkern aufzuschließen (3 und A1TA mit jeweils über 90 Prozent der Wohnsitze). Wie Technikchef Elmar Grasser am Mobile World Congress in Barcelona gegenüber heise online bestätigt hat, bedeutet dies eine deutliche Strategie-Änderung. Noch im Juli war eine Qualitätsverbesserung in den bestehenden Regionen, aber kaum Ausbau der Abdeckung angestrebt worden. Nun soll bis Mitte 2012 beides erreicht und ähnlich wie bei Mitbewerber 3 ein Großteil der Infrastruktur erneuert werden.

Grund für die neuen Pläne ist das veränderte Nutzungsverhalten der Kunden. "Smartphones sind sehr mobil", so Grasser. Die Nutzer würden hohe Datenraten auch in entlegeneren Gebieten erwarten, wo die Nachfrage nach Datendiensten bisher gering war. "Die Vorhersagen von stark steigendem Datenverkehr werden eintreffen. Es ist nicht absehbar, dass sich die Kurve verflacht." Auch Nutzer einfachster Geräte würden inzwischen auf Smartphones umsteigen.

Daher investieren die Eigentümer von Orange Austria, MEP und France Telecom, um sowohl die Abdeckung als auch die Übertragungskapazitäten zu den Sendeanlagen zu verbessern. HSPA+ mit bis zu 42 Mbit/s gibt es inzwischen nicht mehr nur in Wiener Neustadt, sondern auch an Orten mit hoher Datennutzung.

One hatte ein im Wesentlichen auf Sprachdienste fokussiertes Netz errichtet und dabei die Sender häufig über kostengünstigen Richtfunk angebunden. Nun wird in urbanen Gebieten graduell auf Glasfaser umgestellt, aber grundsätzlich an drahtlosen Anbindungen festgehalten. "Richtfunk macht extreme Fortschritte und hat daher noch sehr lange Sinn", so Grasser. Heute seien 300 Mbit/s möglich, für das (noch nicht lizenzierte) E-Band zwischen 71 und 86 GHz seien 1,2 bis 2 Gbit/s zu erwarten.

Der Markt für Mobilfunknetze sei durch die erstarkenden chinesischen Anbieter ZTE und Huawei in Bewegung geraten. "Es gibt große Veränderungen, was die Preise angeht", sagte Grasser. Doch die neuen Geräte seien nicht nur günstiger, sondern könnten dank Software Defined Radio (SDR) flexibel für verschiedene Frequenzen eingesetzt werden. Gleichzeitig werde ein System zwei unterschiedliche Standards gleichzeitig nutzen, etwa GSM und HSPA+ oder HSPA+ und LTE. Dies ermögliche einen langsamen Umstieg von GSM auf 3G und weiter zu LTE. "GSM wird schneller verschwinden, als bis vor Kurzem angenommen", meint Grasser. Doch bis zum Auslaufen der österreichischen GSM-Frequenznutzungsrechte 2015 respektive 2017 sei die GSM-Versorgung gesichert.

E-Plus, drittgrößter Netzbetreiber Deutschlands und ehemaliger Arbeitgeber Grassers, konzentriert sich in der Fläche indes weiterhin auf Sprachdienste und will nur ausgewählte Gebiete mit höheren Datenraten versorgen.
(jo)