Smartphone-Markt: 5G als Hoffnungsschimmer in der Krise

Wirtschaftskrieg und wenig Innovationen lähmen den Smartphone-Absatz. So schnell wird sich das auch nicht ändern, meinen Marktforscher.

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(Bild: Shutterstock/zixia)

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Der weltweite Smartphone-Markt ist in Bewegung. Der Trend geht angesichts gesättigter Märkte und längerer Gerätezyklen nach unten. Der Gesamtmarkt schrumpfte laut den Zahlen der Marktforscher von IDC im zweiten Quartal um 2,3 Prozent auf gut 333 Millionen ausgelieferte Smartphones. Analysten rechnen zwar mit einer Belebung der Nachfrage durch die Einführung des nächsten Mobilfunkstandards 5G, doch zugleich sorgt die politische Großwetterlage für Unsicherheiten.

Vom Handelskrieg zwischen den USA und China profitiert Samsung. Dessen schärfster Konkurrent Huawei wächst wegen der Schwierigkeiten mit der US-Regierung nicht mehr so rasant, wodurch die Koreaner ihren Vorsprung wieder etwas ausbauen konnten. Die Spitzengruppe komplettiert Apple, dessen Smartphone-Absatz deutlich schwächelt, was den direkten Verfolger Xiaomi in eine aussichtsreiche Position für einen Platz auf dem Podium bringt.

In den USA und China schrumpft der Absatz, was den Weltmarkt nach unten zieht. Allerdings verlangsamt sich der Abwärtstrend in China, was den IDC-Analysten Hoffnung auf eine bevorstehende Erholung macht. "Auch wenn der Gesamtmarkt weiter schrumpft, ist die Entwicklung im zweiten Quartal ein Hinweis, dass die Nachfrage wieder anzieht und der Markt sich stabilisiert", erklärt IDC-Analyst Anthony Scarsella.

Die Musik spielt dabei vor allem in der Mittelklasse, in der die Hersteller inzwischen mit leistungsfähigen Geräten aufwarten, die wenig Wünsche offenlassen. Bei den teuren Flaggschiffen werden die Lebenszyklen hingegen länger: die Nutzer behalten ihre teuren Smartphones länger als bisher. Das liegt auch daran, dass es kaum noch echte Innovationen im Smartphone-Segment gibt – und ob sich die experimentellen Falt-Telefone durchsetzen, wird von Analysten bezweifelt.

Smartphone-Verkäufe nach Hersteller, IDC
2. Quartal 2019 2. Quartal 2018
Hersteller Absatz MA Absatz MA Absatz +/-
Samsung 75,5 Mio. 22,7 % 71,5 Mio. 21,0 % +5,5 %
Huawei 58,7 Mio. 17,6 % 54,2 Mio. 15,9 % +8,3 %
Apple 33,8 Mio. 10,1 % 41,3 Mio. 12,1 % -18,2 %
Xiaomi 32,3 Mio. 9,7 % 32,4 Mio. 9,5 % -0,2 %
Oppo 29,5 Mio. 8,9 % 29,4 Mio. 8,6 % +0,3 %
Andere 103,4 Mio. 31,0 % 112,4 Mio. 32,9 % -8,0 %
Gesamt 333,2 Mio. 341,2 Mio. -2,3 %
(IDC Worldwide Quartely Mobile Phone Tracker, Juli 2019)

Samsung konnte mit seiner starken A-Klasse diesem Trend entgegenwirken. Zudem dürfte die bevorstehende Markteinführung des Galaxy Note 10 auch den Absatz in der Oberklasse wieder ankurbeln. Immerhin hat Samsung seinen Absatz wieder steigern und den Abstand zu Huawei vergrößern können – auch wenn das den Koreanern unter dem Strich nicht viel geholfen hat: Samsung verzeichnete für das zweite Quartal einen deutlichen Gewinneinbruch.

Herausforderer Huawei schlägt sich angesichts der harten US-Sanktionen noch gut, hat aber deutlich an Schwung verloren. Das könnte sich fortsetzen, warnen Marktforscher von Canalys. Die Netzbetreiber entscheiden mit einigen Monaten Vorlauf über ihr Geräteangebot und könnten jetzt erstmal die weitere Entwicklung abwarten. "Die Marke Huawei hat außerhalb Chinas Schaden genommen, und es wird Zeit und Geld kosten, das zu reparieren", meint Analyst Ben Stanton. Im zweiten Quartal konnte Huawei den Absatzschwund auf den westlichen Märkten mit einer Vermarktungsoffensive in China teilweise kompensieren.

Apple hat im zweiten Quartal nur noch 33,8 Millionen iPhones verkauft, fast ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Nachdem "Peak iPhone" offenbar erreicht ist, nennt der Hersteller selbst keine Absatzzahlen mehr. Den Anlegern scheint das keine große Angst zu machen, weil Apple sein Servicegeschäft über die eigenen Softwareplattformen ausbauen kann. Ungeachtet des sinkenden Marktanteils bei Neugeräten, gelinge es Apple mit gebrauchten und generalüberholten iPhones immer mehr iOS-Nutzer zu gewinnen, erklärt IDC.

Von Apples Schwäche profitiert Xiaomi, das mit 32,8 Millionen verkauften Smartphones ganz nah ans Treppchen heranrückt. Während Huawei seinem chinesischen Konkurrenten auf dem Heimatmarkt weiter zusetzt, konnte Xiaomi seine Erfolgsgeschichte in Indien fortschreiben. Das Gleiche gilt auch für Oppo, das mit der Einführung von 5G nun auch westliche Märkte ins Visier nimmt.

Apropos 5G: Mit der Morgendämmerung der nächsten Mobilfunkgeneration zeichnet sich ein Hoffnungsschimmer für die Smartphone-Hersteller ab. Während die Marktforscher von Gartner davon ausgehen, dass der Schrumpfkurs noch das ganze Jahr anhält. "Wir erwarten eine noch schwächere Nachfrage im zweiten Halbjahr", erklärt Gartner-Analystin Annette Zimmermann. "Der Absatz wird dann in der zweiten Hälfte 2020 wieder anziehen, wenn die Netzversorgung und das Geräteangebot für 5G besser geworden sind." (vbr)