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Smartphone-Markt schrumpft, Xiaomi und Huawei profitieren

China ist der Motor des globalen Smartphone-Markts – und der stottert derzeit ein bisschen. Das führt zu sinkenden Absatzzahlen. Apple, Huawei und vor allem Xiaomi legen gegen den Trend zu.

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Xiaomi

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Smartphone-Hersteller haben im ersten Quartal 2018 knapp drei Prozent weniger Geräte ausgeliefert als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt wurden nach Schätzung der Marktforscher von IDC zwischen Januar und März rund 334,4 Millionen Smartphones ausgeliefert. Für den Rückgang von 2,9 Prozent machen die Marktforscher vor allem den schwächelnden chinesischen Markt verantwortlich. In China fiel das Marktvolumen erstmals seit Sommer 2013 wieder unter 100 Millionen Geräte.

"Weltweit und auch auf dem Schlüsselmarkt China wechseln die Smartphone-Kunden zu teureren Premium-Geräten, aber es gibt weniger Kunden, die zum ersten Mal ein Smartphone kaufen", erläutert IDC-Analystin Melissa Chau. "Das führt zu sinkenden Absatzzahlen.” Die Marktforscher rechnen aber mit einem weiter steigenden Gesamtmarktwert, weil die Verbraucher für die täglichen Computerangelegenheiten zunehmend auf das Smartphone zurückgreifen.

Allerdings sinkt angesichts der steigenden Preise im Premium-Segment auch die Bereitschaft, ein Spitzen-Smartphone schnell durch ein neues zu ersetzen. Die Lebenszyklen der Geräte werden länger. "Es sieht jetzt so aus, dass die Verbraucher nicht gewillt sind, solche Summen für ein neues Gerät hinzublättern, das verglichen mit ihrem aktuellen Smartphone nur minimale Verbesserung bringt", erklärt IDC-Analyst Anthony Scarsella.

Smartphone-Verkäufe nach Hersteller, IDC
Hersteller Geräteabsatz Marktanteil Geräteabsatz Marktanteil Absatz +/-
1. Quartal 2018 1. Quartal 2017
Samsung 78,2 Mio. 23,4 % 80,1 Mio. 23,3 % -2,4 %
Apple 52,2 Mio. 15,6 % 50,8 Mio. 14,7 % +2,8 %
Huawei 39,3 Mio. 11,8 % 34,5 Mio. 10,0 % +13,9 %
Xiaomi 28,0 Mio. 8,4 % 14,8 Mio. 4,3 % +87,8 %
OPPO 23,9 Mio. 7,1 % 25,8 Mio. 7,5 % -7,5 %
Andere 112,7 Mio. 33,7 % 138,3 Mio. 40,2 % -18,5 %
Gesamt 334,3 Mio. 344,3 Mio. -2,9 %
(IDC Worldwide Quartely Mobile Phone Tracker, Mai 2018)

Vom schwachen chinesischen Markt unmittelbar betroffen ist der Hersteller Oppo, der das Gros des Geschäfts auf seinem Heimatmarkt macht und das auch mit steigendem Absatz im Ausland nicht kompensieren kann. Oppo fällt im internationalen Vergleich auf den fünften Platz zurück, dafür rückt Konkurrent Xiaomi, der Börsen-Ambitionen hegt, auf den vierten Platz vor. Mehr als die Hälfte der Xiaomi-Smartphones werden inzwischen im Ausland verkauft.

Gegen den Trend hat Huawei seinen Marktanteil weiter ausbauen können. Der Hersteller hält eine gute Balance zwischen einem starken Chinageschäft und steigender Beliebtheit im Ausland. Nach Angaben von IDC ist Huawei in Europa und dort vor allem in Deutschland, Spanien und Italien stark. Dabei seien sind die Mittelklasse-Varianten der Spitzenmodelle (“lite”) besonders beliebt, aber auch die P10-Familie und das Mate 10 Pro seien deutlich stärker als ihre Vorgänger. In den USA hat Huawei hingegen weiterhin Probleme politischer Natur.

An der Spitze bleibt alles beim alten: Samsung dreht mit gut 23 Prozent trotz eines leichten Absatzrückgangs weiter einsam seine Kreise. Obwohl schon mit starken Zahlen zum Ende des Quartals wird die neue Galaxy-S9-Familie ihre volle Wirkung erst im zweiten Quartal entfalten. Das Hauptgeschäft macht Samsung aber weiterhin mit den Mittelklasse-Geräten der Galaxy-A-Familie und den Galaxy-J-Modellen.

Hinter Samsung kann Apple seine Marktposition festigen. Mit über 52 Millionen iPhones zeigt der Hersteller wieder leichtes Wachstum. Auch dank dem entgegen der Unkenrufe von Marktbeobachtern erfolgreichen iPhone X konnte Apple den durchschnittlichen Verkaufspreise seine Smartphones um 11 Prozent auf 728 US-Dollar steigern.

Auch die Marktforscher von Strategy Analytics (SA) sehen einen Rückgang des Absatzvolumens im ersten Quartal und beziffern diesen auf 2,4 Prozent. Sie führen dafür längere Lebenszyklen der Geräte, sinkende Subventionen für den Gerätekauf bei den Netzbetreibern und fehlende Hardware-Innovationen als Faktoren an. (vbr)