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Smartwatch Samsung Gear S2 im Hands-on: Drehen statt Wischen

Die Samsung Gear S2 lässt sich über einen Drehring bedienen. Die Uhr läuft zwar mit Tizen, ist aber mit Android-Smartphones ab Version 4.4 kompatibel.

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Samsung Gear S2 im Hands-on: Drehen statt Wischen

(Bild: c't)

Samsung hat auf dem Smartwatch-Markt einen neuen Konkurrenten: Apple – und Apples Uhren sind vor allem schicker als Samsungs Gear-Serie. Kein Wunder also, dass das Unternehmen bei seiner neuen Gear S2 vor allem an der Optik gedreht hat. Während die Gear S noch wie ein Mini-Smartphone am Handgelenk aussah und sich ähnlich wuchtig anfühlte, ist die Gear S2 eine Uhr, die den Namen verdient.

Das Modell gibt es in zwei Varianten: Die "normale" Gear S2 hat ein sehr schlichtes Metallgehäuse mit ansteckbaren Plastikarmbändern. Die Gear S2 Classic zeigt etwas mehr Profil und soll sich eher an klassischen Armbanduhren orientieren. Auch ihre Armbänder lassen sich austauschen. Beide Modelle sind 11,4 Millimeter dick und wiegen 42 Gramm; am Arm sind sie in etwa so groß und so schwer wie ein typischer Armband-Chronograph oder eine massivere Herrenuhr.

Samsung Gear S2 und S2 Classic - Hands-on (11 Bilder)

Die Samsung Gear S2 hat etwa 30 unterschiedlicher Watchfaces vorinstalliert - weitere bekommt man über den Gear Store.
(Bild: c't)

Das OLED-Display ist komplett rund, schön farbkräftig und ausreichend hell leuchtend. Die Auflösung von 360 × 360 Pixeln entspricht 300 ppi und ist in etwa so scharf wie die Apple Watch – ein schickes Display.

Größte Besonderheit ist der metallene Ring (Lünette) um das Display, der sich wie bei einer Taucheruhr drehen lässt. Während man auf der Taucheruhr damit die Startzeit des Tauchcgangs markiert, dient er bei der Samsung Gear S2 als Bedienelement. Dreht man im oder gegen den Uhrzeigersinn, entspricht das im Menü einer Wischgeste nach links beziehungsweise nach rechts. Darüber navigiert man sehr intuitiv durch Widgets, die beispielsweise Wetterdaten oder die eigenen Health-Daten darstellen, oder man wechselt vom Ziffernblatt zu der Notifications-Übersicht. Der Drehring ist bei beiden Watch-Modellen aus Metall, bei der Classic hat er eine leichte Zähnung, in etwa so wie bei einer Briefmarke.

(Quelle: c't)

Beim Drehen rastet der Ring bei jedem Schritt leicht ein, sodass man auch haptisch gut spürt, wie weit man gerade scrollt. Im ersten Test kam es uns um einiges praktischer und leichter als bei der Dreh-Krone der Apple Watch vor. Das liegt auch daran, dass die Krone eine sehr feinmotorische Bedienung an der Gehäuseseite erfordert, während man bei der Gear S2 im Prinzip an jeder Stelle des Rings und mit nur einem Finger drehen kann. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen der Gear S2 und der Gear S2 Classic, zumindest bei den uns verfügbaren Demo-Geräten: Beim Ring der Classic musste man beim Drehen mit etwas mehr Kraft arbeiten, was aber ebenfalls sehr gut funktioniert.

Auch in Apps und Menüs kann man mit dem Ring zwischen Punkten scrollen, zum Beispiel durch die Termine im Kalender. Was allerdings fehlt, ist ein integrierter Druckknopf: Hat man beispielsweise in der kreisrunden App-Übersicht ein Icon ausgewählt, muss man danach mit dem Finger auf die Bildschirmmitte tippen; innovativer wäre es, wenn man einfach den Ring nach unten drücken könnte.

Weiterhin gibt es aber auch die klassischen Wischgesten der Tizen-Uhren, man kann also auch einfach durch Hin- und Herwischen auf dem Touch-Display durch die Inhalte navigieren. Am rechten Gehäuserand gibt es zwei mechanische Knöpfe, die einen guten Druckpunkt haben. Der obere führt immer einen Schritt zurück, der untere führt zurück zum Ziffernblatt und bei einem weiteren Druck ins App-Menü.

Wie bei der Gear S verwendet Samsung für die Gear S2 Tizen OS. Das hat der Hersteller für die neue Uhr ordentlich aufgemotzt: Nicht bloß sind die Standard-Apps und zum Marktstart wohl auch sehr viele Dritthersteller-Anwendungen für das runde Display angepasst; auch fühlt sich die Oberfläche deutlich flüssiger und schneller an als auf der Gear S. Viele Widgets wie der für den Pulssensor oder für Health-Daten zeigen schicke Animationen.

Samsung hat einige neue Funktionen spendiert, vor allem der Fitness- und Health-Tracker wurde erweitert. Unter anderem erkennt die Uhr nun automatisch, ob man sitzt, geht oder läuft und zeichnet Aktivitäten über den Schrittzähler nach Kategorien getrennt und automatisch auf. Wie die Apple Watch schlägt die Gear S2 nach längerer Sitzzeit vor, mal aufzustehen und sich zu bewegen. Das Health-Logbuch fasst die Informationen in 24-Stunden-Blöcken zusammen.

Auch soll über die Uhr mittels NFC künftig auch Bezahlen über Samsung Pay möglich sein. Unter dem Stichwort Internet of Things und Heimautomation soll man sie beispielsweise auch als Schlüssel fürs Auto oder zum Aktivieren von Geräten im Connected Home nutzen können.

Wie die Gear S gibt es die Gear S2 und auch die Gear S2 Classic sowohl als WLAN- als auch als UMTS-Version. Letztere sollen minimal dicker und schwerer als die WLAN-Varianten sein. Alle vier können weitgehend autark benutzt werden, viele Apps (aber nicht alle) funktionieren also auch ganz ohne verbundenes Handy. Mit den UMTS-Varianten kann man sogar ohne angeschlossenes Smartphone telefonieren, über eine SIM-Karte.

Ist ein Smartphone per Bluetooth (4.1) angeschlossen, lassen sich wie bei den früheren Gear-Smartwatches und den Android- und Apple-Konkurrenten auch verschiedene Funktionen auf die Uhr auslagern, also zum Beispiel Notifications einblenden, navigieren, Termine anzeigen oder Anrufe annehmen und diese über das Mikro in der Uhr beantworten.

Bei der Verknüpfung mit dem Handy ist man bei der Gear S2 nicht mehr auf Samsung-Smartphones eingeschränkt. Samsung verspricht, dass die Begleit-App für die Gear S2 für alle Android-Geräte mit Android 4.4 oder höher verfügbar sein wird, einzige Anforderung ist ein Arbeitspeicher von mindestens 1,5 GByte.

Einen Preis und einen Marktstart für die Uhren hat Samsung noch nicht genannt. (acb)

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