Snapchat stellt Sonnenbrille mit Kamera vor

Das Accessoir nimmt kurze Video-Clips auf und sendet sie drahtlos an das Smartphone, von wo aus sie veröffentlicht werden können. Trotz des verspielten Designs, fragt man sich, ob Spectacles mehr Akzeptanz findet als Google Glass.

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Der Betreiber der Fotoplattform Snapchat hat eine Sonnenbrille mit Kamera entwickelt. Das Gerät mit dem Namen Spectacles nimmt bis zu zehn Sekunden lange Videos auf. Mitgründer und Chef Evan Spiegel stellte die Kamera-Brille dem Wall Street Journal vor und bezeichnete sie dabei als "Spielzeug", das vielleicht beim Grillen oder einem Konzert getragen werde.

Spectacles liefert laut Hersteller Video-Clips in rundem Format. Möglicherweise nimmt der Hersteller damit Bezug auf die Brille mit runden Gläsern und den dadurch gebotenen Blick des Trägers auf das Geschehen vor ihm. Die bisherigen Beispiele zeigen freilich rechteckige Clips.

Spectacles nimmt Video-Clips mit einem Blickwinkel von 115 Grad auf; dafür genügt ein Druck auf den Auslöser neben dem Scharnier. In der Kamera steckt ein Weitwinkelobjektiv. Die Videos haben kein rechteckiges, sondern ein rundes Format. Die bisher unter anderem auf Youtube veröffentlichten Beispielclips sind freilich rechteckig. Die Kamera synchronisiert sich drahtlos und automatisch mit dem Smartphone. Von dort aus lassen sich die Clips auf der Snapchat-Plattform veröffentlichen. Zur Kommunikation mit dem Smartphone setzt die Kamera Bluetooth oder WLAN ein. Details zur Brennweite des Objektivs, zur Batterie- und Speicherkapazität, Laufzeit oder Auflösung der Kamera und dem Gewicht der Brille fehlen bisher.

Spectacles soll im Herbst in drei unterschiedlichen Farben für 130 US-Dollar auf den Markt kommen. Geplant sei, zunächst nur eine geringe Stückzahl zu produzieren, als Testballon um die Nachfrage zu prüfen. Die Entwicklung geht vermutlich auf das Startup Epiphany Eyewear zurück, das sehr ähnliche Brillen produzierte und im Jahr 2014 von Snapchat gekauft wurde. Einen Prototypen der Brille hatte Spiegel bereits 2015 bei einer Wanderung in Kalifornien getestet.

Snapchat, das mit seinen automatisch verschwindenden Fotos bekannt wurde, wandelt sich allmählich zu einer Medienplattform. Aktuell werde der Dienst von 150 Millionen Nutzern täglich besucht. Spiegel ließ anlässlich der Produktionsaufnahme der Spectacles den Namen der Firma von Snapchat in Snap Inc. ändern, um den Ausbau des Geschäfts über den bekannten Dienst hinaus abzubilden.

Brillen mit integrierten Kameras können ein hartes Geschäft sein, wie schon Google erfahren musste. Der Internet-Konzern stellte seine Brille Google Glass mit Kamera und kleinem Bildschirm 2012 vor. Sie erhielt aber reichlich Gegenwind, kam nie über einen eingeschränkten Verkauf in den USA hinaus und wurde schließlich eingestellt. Es waren vor allem Datenschutz-Bedenken sowie der hohe Preis und technische Schwächen, die einem Erfolg der Glass im Weg standen. Zuletzt wurde mehrfach über Pläne für eine zweite Version berichtet, die auf den Einsatz in Unternehmen ausgerichtet werde. (dz)