Menü

Snowden-Dokumente: NSA und GCHQ hören Mobilfunk in Flugzeugen nahezu in Echtzeit ab

Die NSA brüstete sich schon 2008, die GSM-Kommunikation von 50.000 Personen über den Wolken abgehört zu haben, der GCHQ verwies 2012 auf ein Abhörprogramm "Southwinds". Dies geht aus neu veröffentlichten Snowden-Papieren hervor.

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 66 Beiträge
Snowden-Dokumente: NSA und GCHQ hören Mobilfunk in Flugzeugen nahezu in Echtzeit ab

(Bild: pixabay.com)

Für viele Reisende ist es nach wie vor selbstverständlich, das Mobiltelefon auszuschalten, wenn sie ein Flugzeug besteigen. Doch zunehmend bieten Fluglinien ihren Passagieren an, an Bord über spezielle Satellitenverbindungen zu telefonieren, Datendienste zu nutzen oder SMS zu verschicken. Dies ist auch den technischen Geheimdiensten der USA und Großbritanniens nicht entgangen: Seit mindestens acht Jahren überwachen die NSA und sein Partnerdienst GCHQ den Mobilfunk über den Wolken, wie aus Snowden-Dokumenten hervorgeht, über die das Online-Magazin "The Intercept" und die Zeitung Le Monde berichten.

2010 verkündete die NSA demnach in ihrer geheimen Hauspostille SIDtoday, dass sie neuerdings Daten rund um den GSM-Mobilfunk abfängt. Auf diesem Weg sei es möglich gewesen, den pakistanischen Präsidenten, Zigarettenschmuggler, Waffenhändler oder Terroristen abzuhören.

In einem weiteren internen Dokument von 2009 berichtete die NSA, dass bis Dezember 2008 schon 50.000 Personen ihre Mobiltelefone während des Flugs verwendet hätten. Im Februar 2009 seien es schon 100.000 Nutzer gewesen. Befürchtungen, dass GMS-Gespräche Flugzeuge zum Absturz bringen könnten, seien offenbar gesunken und die noch vergleichsweise exklusiven Telekommunikationsdienste weniger teuer als zunächst gedacht.

Aus einer GCHQ-Präsentation von 2012 geht hervor, dass die Briten über das Programm "Southwinds" alle GSM-Mobilfunkaktivitäten einschließlich Telefonaten, SMS sowie Verbindungs- und Standortdaten in Flugzeugen sammeln. Die Operationen waren aber zumindest damals noch beschränkt auf Europa, den Mittleren Osten und Afrika beziehungsweise auf Regionen, die der britische Satellitentelefonie-Anbieter Inmarsat abdeckte. Die Daten seien "nahezu in Echtzeit" erheben worden, der Aufenthaltsort eines Flugzeugs habe alle zwei Minuten festgestellt werden können, heißt es in den Folien. Voraussetzung für die GSM-Schnüffelei sei es, dass sich der Flieger in über 3000 Meter Höhe befinde.

Geheime Boden-Luft-Stationen fangen dem Papier zufolge die Mobilfunksignale ab, sobald sie einen Satelliten passieren. Wer auch nur sein Handy anschalte, das für den Dienst freigegeben ist, habe damit sofort seine Position verraten. Die abgehörten Daten würden dann abgeglichen mit den Passagierlisten, Flugnummern und Airline-Codes, um den Namen eines Nutzers ausfindig zu machen. Mit im Zentrum entsprechender bekannter Spionageprogramme, die oft mit Vogelnamen verknüpft waren und Titel wie "Thieving Magpie" oder "Homing Pigeon" trugen, habe spätestens seit 2005 neben Air Mexico auch Air France gestanden.

Als Belege für die Fähigkeiten finden sich in den Dokumenten viele Beispiele für abgehörte Informationen von zahlreichen Fluglinien rund um die Welt. Dass die Angebote heute verstärkt zunächst über WLAN laufen, ändere an den Überwachungsmöglichkeiten wenig. Aus einem der Papiere geht zudem hervor, dass laut GCHQ zumindest auch russische Geheimdienste vergleichbar vorgehen und dabei eng mit Aeroflot kooperierten. (Stefan Krempl) / (anw)

Anzeige
Zur Startseite
Anzeige