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Snowden: "NSA-Mitarbeiter tauschen erbeutete Nacktbilder"

In einem Interview hat Edward Snowden erklärt, dass NSA-Angestellte untereinander Bilder austauschen, die sie bei Überwachungsmaßnahmen abgegriffen haben. Darüber hinaus plädierte er für mehr Verschlüsselung.

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In der NSA existiert die Tradition, dass Mitarbeiter routinemäßig Nacktbilder überwachter Personen in "sexuell kompromittierenden" Situationen untereinander austauschen. Das sagte der NSA-Whistleblower in einem Interview mit dem britischen Guardian. Darin erklärte er auch, dass er damit leben könne, sollte er eines Tages "in Ketten" im US-Gefängnis in Guantánamo landen. Er setze aber auf ein US-Gerichtsverfahren mit einer Jury. Er glaube nicht, dass die ihn schuldig sprechen würden, ganz im Gegensatz zu einem Richter. Verhandlungen mit den USA über eine Rückkehr scheinen festzustecken.

Edward Snowden ist von Regierungen wie der deutschen enttäuscht.

(Bild: dpa, Glenn Grennwald / Laura Poitras)

Wie die britische Zeitung weiterschreibt, bestand Snowden in dem Gespräch darauf, dass er weder depressiv sei noch seine Entscheidungen bereue. Er gehe davon aus, dass er auf absehbare Zeit in Russland bleiben werde und sei enttäuscht über westliche Regierungen, die nicht in der Lage scheinen, ihm eine Zuflucht anzubieten. Derzeit lebt er demnach von seinen Ersparnissen und dem Geld, das er für Preise und Reden bekomme, die er über das Internet gebe. Ansonsten arbeite er derzeit an Verschlüsselungs-Tools, mit denen etwa Journalisten ihre Quellen schützen können.

Das sei ihm sowieso ein sehr wichtiges Anliegen gewesen. Snowden drängt Anwälte, Journalisten, Ärzte, Buchhalter, Priester, ihr Verhalten zu ändern, um die Daten ihrer Kontakte zu schützen. Bislang würden sie daran scheitern und die Privatsphäre derer gefährden, die darauf angewiesen sind. Vor allem Journalisten müssten ganz besonders vorsichtig sein und nicht einen einzigen Fehler machen. Eine freie Gesellschaft sei in der gegenwärtigen Situation darauf angewiesen.

Entschieden wies Snowden erneut den Vorwurf zurück, ein russischer Spion zu sein, ob nun bewusst oder unbewusst. Sobald die US-Regierung irgendeinen Hinweis hätte, dass Informationen von ihm an russische Dienste gegangen sei, würde das am nächsten Morgen in der New York Times stehen. Und natürlich könnten die Russen das nicht vor den USA geheim halten, immerhin würden dann etwa Quellen der US-Dienste verschwinden.

[Update 18.07.2014 - 14:20 Uhr] Gegenüber der Zeitung hat Edward Snowden außerdem explizit vor Dropbox gewarnt. Der Cloud-Speicherdienst sei ein Feind der Privatsphäre, was sich etwa an der Berufung von Condoleezza Rice in den Verwaltungsrat zeige. Sie sei eine der wahrscheinlich Datenschutz-feindlichsten Regierungsvertreter überhaupt. Snowden empfiehlt stattdessen den Speicherdienst SpiderOak, der auf nutzerseitige Verschlüsselung setze und so nicht einmal selbst Zugriff auf die Daten habe, geschweige denn diese weitergeben könne. Das kann aber nicht überprüft werden. (mho)

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