Social-Media-Manipulationen mittels Crowdsourcing

Zahlreiche Aufträge, die Crowdsourcing-Dienste in China und in den USA abwickeln, dienen der Manipulation der öffentlichen Meinung im Netz, fanden US-Forscher heraus.

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Crowdsourcing boomt: Diverse Firmen zahlen Tausenden von Nutzern kleine Beträge dafür, dass diese etwa Bilder verschlagworten – was Computer heute noch nicht besonders gut können. Ein Report von Forschern der University of California in Santa Barbara (UCSB) beschreibt nun die dunkle Seite der Branche, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe: Vor allem in China, aber auch in den USA ist eine Millionen-Dollar-Industrie entstanden, die mittels Crowdsourcing systematisch die Manipulation von sozialen Netzwerken betreibt.

Der Wissenschaftler nennen das Phänomen "Crowdturfing", in Anlehnung an das Phänomen des "Astroturfing": Dort versuchen Lobbygruppen, ein politisches Anliegen mittels erfundener Bürgerinitiativen voranzutreiben, um die wahren Absender der Kampagne zu verschleiern.

Die UCSB-Forscher fanden heraus, dass ein großer Teil des Crowdturfings in China von zwei Crowdsourcing-Diensten ausgeht: vom Marktführer Zhubajie und von Sandaha. Dort bekommen Nutzer 20 bis 30 Cent dafür, dass sie auf bestimmten Websites Konten eröffnen, tendenziöse Antworten zu Produkten in Frageforen posten oder positive Nachrichten über bestimmte Produkte in sozialen Netzwerken verbreiten.

"Das läuft in aller Öffentlichkeit ab. Man kann sehen, wer solche Jobs angeboten hat und was dafür gezahlt wurde", sagt Ben Zhao, einer der Initiatoren der Studie. Nach einer Software-Analyse ist sein Team zu dem Schluss gekommen, dass 88 Prozent aller Jobs bei Zhubajie und 92 Prozent bei Sandaha dem Crowdturfing zuzuordnen sind.

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(bsc)