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Technology Review

Social Networks im Rückwärtsgang

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Wenn man derzeit einen Blick ins Silicon Valley wirft, stellt man schnell fest, dass die Luft aus der Blase, die in den letzten Jahren unter dem Label "Web 2.0" lief, langsam zu entweichen scheint. Abgelassen wird sie nicht nur durch die aktuell schwere wirtschaftliche Lage. Von größerer Tragweite ist, dass sich immer mehr Geschäftsmodelle als nur schwerlich umsetzbar erweisen, berichtet die Online-Ausgabe des Technologiemagazins Technology Review in einer aktuellen Analyse des Social Media-Marktes.

Nahezu alle Start-ups aus dem einst so heißen Bereich der Social Networks schrumpfen derzeit. Im Oktober meldete die immerhin drittgrößte Plattform der USA, Hi5, eine Personalreduktion von 10 bis 15 Prozent. Im November verkündeten wiederum die auf geschäftliche Nutzer konzentrierten Plattformen LinkedIn (10 Prozent) und Jive (40 Prozent) Entlassungswellen.

Die dominierenden sozialen Netzwerke sind etwas besser gerüstet, den Sturm zu überstehen, glauben Marktbeobachter. MySpace und Facebook haben jeweils Umsätze von 750 beziehungsweise 300 Millionen Dollar, während LinkedIn 2008 immerhin zwischen 75 und 100 Millionen einfahren konnte. Die Gesamtbewertung dieser Firmen hängt jedoch noch immer von ihrem einst gigantischen Wachstumspotenzial ab – und genau das gilt inzwischen als übertrieben positiv eingeschätzt.

Microsoft investierte 2007 in Facebook, als die Firma noch mit enormen 15 Milliarden Dollar bewertet wurde. Erst im November lehnte der populäre Web 2.0-Kurznachrichtendienst Twitter es dagegen ab, sich bei einer ähnlich hohen Bewertung für 500 Millionen Dollar in Aktien des Unternehmens übernehmen zu lassen. Stattdessen wollten die Gründer vor allem Bargeld sehen.

In den letzten Wochen verabschiedeten sich außerdem zwei prominente und als viel versprechend geltende Start-ups aus dem Sektor. Pownce, eine Plattform, die eine Kombination aus Microblogging-Service und Filesharing anbot, wurde von der Blog-Software-Firma Six Apart übernommen, während Values of n, das Werkzeuge aus den Bereichen Social Networking und Web-Organisation vermarktete (darunter "Stikkit" und "I Want Sandy"), an Twitter verkauft wurde. Beide neuen Besitzer teilten sofort mit, sie würden die Originaldienste einstellen. Das legt nahe, dass es ihnen mehr um die Übernahme talentierter Mitarbeiter und deren Technologie als um die angebotenen Services ging. Die erschienen ihnen offenbar nicht als lukrative Geschäfte. Chris Alden, Chef von Six Apart, meint, dass derzeit einfach nicht genügend Kapital im Markt sei, um die viele Social Network-Anbieter zu erhalten: "Wir werden in den nächsten ein, zwei Jahren noch eine Konsolidierungswelle sehen."

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(bsc)

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