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Softbank übernimmt 15 Prozent von Uber zum Sparpreis

Der von Skandalen gezeichnete Online-Fahrdienstvermittler Uber hat drastisch an Wert verloren. Nun kaufte der japanische Konzern Softbank einen 15-prozentigen Anteil an dem Unternehmen für nur 7,7 Milliarden Dollar.

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Fahrtvermittler Uber

(Bild: dpa, Britta Pedersen/Archiv)

Die diesjährigen negativen Schlagzeilen haben dem Unternehmenswert der in San Francisco ansässigen Uber Corporation nicht gut getan. Der Online-Vermittler von Personenbeförderungsfahrten will den Blick nach vorn richten und durchstarten. Dafür ist der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank K.K. bei Uber eingestiegen. Für die Übernahme von 15 Prozent der Unternehmensanteile zahlten die Japaner allerdings lediglich 7,7 Milliarden Dollar. Hochgerechnet entspricht das einem Wertverlust von rund 26,7 Prozent gegenüber den Wertberechnungen bei früheren Geldspritzen.

In besseren Zeiten wurde der Wert von Uber mit fast 70 Milliarden Dollar angesetzt; damit galt der Fahrtvermittler lange als das am höchsten gehandelte Startup-Unternehmen der Welt. Legte man nun den Preis der Anteile für Softbank zugrunde, wäre der Wert des Gesamtunternehmens auf 50 Milliarden geschrumpft.

Uber setzt darauf, sich mit dem neuen Großaktionär aus dem Schatten des umstrittenen Mitgründers und Ex-Chefs Travis Kalanick zu lösen und die jüngste Serie von Skandalen hinter sich zu lassen. Der Deal solle im Januar unter Dach und Fach gebracht werden, sagte Rajeev Misra, der Chef des Investmentzweigs von Softbank, gegenüber der Financial Times. Softbank wird nach bisherigen Plänen nur einen kleinen Anteil direkt bei Uber zur bisherigen Bewertung übernehmen. Den Hauptteil des Anteilspakets wollen die Japaner jedoch bisherigen Aktionären abkaufen – und zwar zu einem deutlich günstigeren Kurs. Außerdem bekommen andere Mitglieder des Softbank-Konsortiums wie der chinesische Internet-Konzern Tencent auf diese Weise einen Anteil von 2,5 Prozent an Uber für rund eine Milliarde Dollar.

Für Investoren und Mitarbeiter bedeutet dieser Deal eine seltene Möglichkeit, sich von Uber-Beteiligungen zu trennen. An der Börse ist das Unternehmen nämlich noch nicht gelistetet. Die Angebotsfrist lief von Ende November bis zum gestrigen Donnerstag, dem 28.Dezember. Das Konsortium wollte auf mindestens 14 Prozent der Uber-Anteile kommen.

Angesichts des jetzt anzusetzenden Unternehmenswerts dürfte der chinesische Rivale Didi Chuxing nun mehr wert sein als Uber. Die Didi-Chuxing-Betreiber sollen bei ihrer letzten Finanzierungsrunde zu einer Gesamtbewertung von 56 Milliarden Dollar frisches Geld bei Investoren besorgt haben. Damit wäre Uber die Krone als teuerstes Start-up-Unternehmen der Welt los. Bereits im August hatten einige große Fondsgesellschaften ihre Uber-Anteile deutlich abgewertet.

Ein Grund für die Skepsis der Anleger dürften die Skandale sein, mit denen sich der Name Uber inzwischen verbindet. Die Vorwürfe gegen den Fahrtvermittler, der wegen seiner aggressiven Unternehmenskultur ohnehin umstritten ist, reichen von Sexismus und Diskriminierung über Technologie-Diebstahl bis zur Spionage. Immer wieder tauchte das Unternehmen in den Schlagzeilen auf – zuletzt dadurch, dass durch ein lange verschwiegenes gewaltiges Datenleck die Daten von 57 Millionen Fahrgästen und Fahrern in unbefugte Hände gelangt waren.

Im Januar sorgte der Umstand, dass Uber (ebenso wie Konkurrent Lyft) Rollstuhlfahrer benachteiligte, für eine Sammelklage in den USA. Wenig später musste das Unternehmen 20 Millionen US-Dollar an die Federal Trade Commission zahlen, weil seine Website Fahrer mit einem höheren Einkommen lockte, als diese es tatsächlich erreichten. Als Taxifahrer in New York mit einem Streik gegen den Rassismus von Präsident Donald Trump protestierten, nutzte Uber dies aus, um mit einer eigenen Rabattaktion Kunden abzufischen. Im Februar warfen Verbraucherschützer in Kalifornien dem Unternehmen illegale Fahrten mit autonomen Trucks vor. Bald darauf berichtete eine Ex-Mitarbeiterin über sexistisches Verhalten von Vorgesetzten im Arbeitsalltag sowie über Machtspiele im Management. Die Alphabet-Tochter Waymo klagte wegen Geheimnisdiebstahl im Zusammenhang mit der Technik für autonome Autos. Die Uber-App sperrte gezielt Polizisten und andere Beamte sowie mutmaßliche Kontrolleure aus, um den Dienstbetreibern Ärger zu ersparen. Im Sommer kamen Verlustzahlen fürs erste Halbjahr an die Öffentlichkeit, die mit 1,3 Milliarden US-Dollar exorbitant hoch waren. In Singapur sollen Uber-Manager Fahrern wissentlich mehr als 1000 mangelhafte Fahrzeuge vermietet haben, die wegen Brandgefahr eigentlich von einem Rückruf betroffen waren. Im November kam ans Licht, dass Uber eine eigene Geheimabteilung für Industriespionage unterhielt.

Gegen Mitte des ausgehenden Jahres musste Travis Kalanick, der anfangs zum Beraterstab von Donald Trump gehört hatte, unter dem Druck von Investoren als CEO zurücktreten. Danach tobte ein Machtkampf im Verwaltungsrat, wo Kalanick noch immer als Großaktionär Einfluss hat. Ob er selbst nun auch Aktien verkauft hat, blieb zunächst unklar. Softbank soll mit dem Deal zwei Sitze im Aufsichtsrat bekommen, was die Machtverhältnisse etwas verschiebt.

Softbank hatte bereits im November eine grundsätzliche Einigung über einen Einstieg bei Uber erzielt. Die Investition ist auch finanziell wichtig für Uber: Der Fahrtvermittler arbeitet nach einer rasanten globalen Expansion weiterhin mit hohen Verlusten und kann eine weitere Geldspritze bis zu dem für 2019 anvisierten Börsengang gut gebrauchen. Außerdem könnte Softbank seine Milliarden sonst in den Rivalen Lyft stecken.

(mit Material von dpa) / (psz)

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