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Softbank will eine Milliarde Dollar in Wirecard investieren

Der Einstieg beim angeschlagenen deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard könnte für Softbank ein lohnendes Geschäft sein. Auch Wirecard will davon profitieren.

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Die Firmenzentrale von Wirecard im bayerischen Aschheim.

(Bild: dpa, Sven Hoppe)

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Der japanische Mischkonzern Softbank plant offenbar, rund eine Milliarde US-Dollar, umgerechnet etwa 900 Millionen Euro, in den deutschen Zahlungsdienstleister Wirecard zu investieren. Softbank würde dadurch eine Minderheitsbeteiligung von etwa 5,6 Prozent erhalten. Um sich den Aktienanteil zu sichern, sollen Wandelanleihen mit Option auf Umtausch erworben werden. Wie das Münchner Unternehmen Wirecard am Mittwoch mitteilte, könne Softbank so Wirecard-Aktien zu einem Preis von je 130 Euro erwerben. Der Preis liegt damit etwa fünf Prozent über dem aktuellen Wert einer Anleihe am Dienstag nach Börsenschluss.

Nach Angaben von Wirecard hätten sich beide Unternehmen bereits auf eine strategische Partnerschaft für digitales Bezahlen geeinigt. "Die Softbank-Gruppe wird sich bemühen, die geografische Expansion von Wirecard nach Japan und Südkorea zu unterstützen und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Unternehmen des globalen Portfolio der Softbank-Gruppe im Bereich digitales Bezahlen, Datenanalysen / KI und andere innovative digitale Finanzdienstleistungen zu schaffen", erklärte Wirecard. Softbank äußerte sich zunächst nicht.

Die Geldspritze von Softbank kommt für Wirecard zur rechten Zeit. Im Januar waren Betrugsvorwürfe gegen das Unternehmen laut geworden. Die Aktie geriet heftig ins Trudeln und wurde zum Spekulationsobjekt. Hintergrund sind Kontomanipulationsvorwürfe und Dokumentenfälschungen eines hochrangigen Wirecard-Managers in Singapur, der für das Asiengeschäft zuständig ist. Mittels fingierter Verträge sollen Tochterfirmen von Wirecard Umsätze in Hongkong und Singapur geschönt haben. Dabei sollen verdächtigte Transaktionen in Höhe von 37 Millionen US-Dollar getätigt worden sein, berichtete zuerst die Financial Times.

In den USA haben Anleger im Februar wegen der möglichen Bilanzierungsverstöße Sammelklage gegen Wirecard eingereicht. Wirecard selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe. Eine interne Untersuchung hätte keine Auffälligkeiten ergeben, hieß es von dem Unternehmen. Nach Angaben von Bloomberg habe ein Buchhalter, der im Zentrum der Betrugsvorwürfe im Singapur-Geschäft stand, das Unternehmen am 5. April verlassen. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde BaFin hatte den Short-Handel aufgrund der Unstimmigkeiten für zwei Monate verboten. Am Freitag war diese Beschränkung wieder aufgehoben worden.

Gegen Wirecard sind in der Vergangenheit mehrmals Vorwürfe wegen fragwürdiger Geschäftspraktiken erhoben worden. Belegt wurden sie jedoch nicht.

Der Vereinbarung mit Softbank sollen wochenlange Gespräche des Top-Management beider Unternehmen vorausgegangen sein. Softbank könne zu einem späteren Zeitpunkt weitere Wirecard-Aktien auf dem Markt kaufen, sagte einer der mit der Sache betrauten Personen laut Bloomberg.

Wirecard kann mit dem Deal seine Reichweite in Asien, einer der wichtigsten Wachstumsregionen, ausbauen. Das Unternehmen ist dort beispielsweise für den Fahrdienst Uber als einer von mehreren Zahlungsdienstleistern tätig. Softbank hält über den technologie-orientierten Vision Fund rund 15 Prozent der Anteile an Uber. Die engere Bindung an Softbank könnte Wirecard dabei helfen, mehr Geschäfte mit Uber und den aus den Vision Fund mitfinanzierten Unternehmen zu generieren, heißt es. Möglicherweise könnte Wirecard auch seine Dienstleistungen für die Alibaba Group ausbauen, an der Softbank ebenfalls beteiligt ist.

Softbank scheint mit dem Erwerb der Wirecard-Anleihen stärker in das Geschäft mit Zahlungsdienstleistungen einsteigen zu wollen – oder zumindest einen Fuß in die Tür für mobile Zahlungen zu bekommen. Im vergangenen Jahr hatte Softbank bereits mit Yahoo Japan ein Zahlungssystem für mobile Apps eingeführt. (olb)