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Software-Stratege Ray Ozzie kündigt Abschied von Microsoft an [Update]

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Der Softwarekonzern Microsoft hat am Montagabend überraschend angekündigt, dass Software-Stratege Ray Ozzie das Unternehmen verlassen wird. CEO Steve Ballmer informierte die Mitarbeiter des Konzerns in einer nun veröffentlichten E-Mail über die bevorstehende Personalie. Danach wird Ozzie seine Aufgabe als "Chief Software Architect" niederlegen und das Unternehmen nach einer unbestimmten Zeit des Übergangs verlassen. Bis dahin soll er sich bei Microsoft um Projekte im Unterhaltungsbereich kümmern.

Der Vater von Lotus Notes war im April 2005 als CTO zu Microsoft gestoßen, als der Konzern sein Unternehmen Groove Networks übernahm. Als Microsoft-Gründer Bill Gates im Jahr darauf seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft ankündigte, übernahm Ozzie seine Rolle des Chief Software Architect und war seither maßgeblich für die Cloud-Strategie des Konzerns verantwortlich. Ozzie habe noch keine Pläne für seine Zeit nach Microsoft, heißt es in der E-Mail von Ballmer. Weiter erklärt der CEO, dass der Posten des Chief Software Architect nicht neu besetzt werden soll.

Kommentar: Es gibt keinen zweiten Bill Gates

Als Bill Gates sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen wollte, sah er sich mit dem Problem aller Gründer konfrontiert: Wer soll mein Nachfolger sein? Bei Microsoft konnte niemand existieren, unter einem stattlichen Baum wächst kein zweiter. Der Einzige, den Gates finde konnte, war Ray Ozzie. Er investierte in seine neue Firma Groove Networks und übernahm sie schließlich. Nicht etwa, weil ihn das Produkt interessierte, sondern weil er Ozzie haben wollte. Gates zog sich aus der Geschäftsleitung zurück und installierte sich in einer bisher unbekannten Position: Chief Software Architect. Eine Position, die für seinen Nachfolger maßgeschneidert war. Abseits des Tagesgeschehens alle Fäden in der Hand zu halten, um Microsoft auf dem richtigen Pfad zu halten.

Das konnte für Gates funktionieren, weil niemand seine Rolle hinterfragen konnte. Gates war die überragende Persönlichkeit innerhalb von Microsoft. Sein Wort war Gesetz. Eine Autorität, die sich auf niemand übertragen ließ.

Ray Ozzie hatte alles, was Gates in ihm suchte. Weit vorausschauend, fähig, Wichtiges von Dringendem zu trennen, ein Mensch, der Software atmet. Er konnte Microsoft entscheidende Impulse geben. Die Neuausrichtung auf Cloud Services, die Hinwendung zu Open Source, eine freundlichere Kultur. Aber Ozzie hatte nicht Gates' Autorität. Er konnte sie nicht besitzen, sondern nur leihen. Ohne Gates im Hintergrund galt Ozzie bei Microsoft nicht viel.

Wie viele Unternehmensgründer ist Bill Gates an der Aufgabe gescheitert, sich selbst zu klonen. Es gibt keinen zweiten Bill Gates. Die Trennung ist konsequent. (vowe) (vbr)

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