Software vereinfacht Animationsfilme

Trotz Computertechnik sind animierte Filme noch mit einem enormen Aufwand verbunden. Ein Potsdamer Start-up möchte ihre Herstellung so schnell und einfach machen wie die einer Daily Soap.

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Von
  • Gregor Honsel

Das Potsdamer Start-up Wonderlamp Industries hat eine Software namens Djinni entwickelt, mit der sich animierte Serien genauso schnell und preiswert wie Daily Soaps erstellen lassen sollen. Das berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 10/2013 (am Kiosk oder hier zu bestellen).

Trotz aller Computertechnik erfordern klassische Animationsfilme einen gewaltigen Aufwand: Erst schreiben Autoren das Drehbuch, dann nehmen Schauspieler die Dialoge auf, und schließlich macht sich ein ganzes Heer von Animatoren an die Umsetzung. Möchte der Regisseur nachträglich etwas ändern, muss er wieder ganz von vorn beginnen.

Um diesen Prozess zu beschleunigen, griffen die Entwickler von Wonderlamp Industries eine alte Idee auf: die Produktion von Filmen mit zweckentfremdeten Game-Engines. Diese erzeugen bei Computerspielen Räume, Landschaften und Figuren und setzen die Befehle des Controllers in flüssige Bewegtbilder um. Warum sie also nicht zur Animation benutzen? Amateure und Fans haben auf diesem Wege ein eigenes Filmgenre geschaffen – sogenannte „Machinima“.

Doch für die Filmproduktion sind Game Engines zu unflexibel. So ist es zum Beispiel ziemlich aufwendig, ein neues Möbelstück in die Kulissen einzubauen. Die Wonderlamp-Programmierer haben die Fähigkeiten von Game Engines mit einer neu geschriebenen Software nun massiv erweitert – mit dem Ziel, sie möglichst nahtlos in die Abläufe einer Serienproduktion einzufügen. „Wir wollen die Computeranimation den Spezialisten entwinden und den Kreativen zurückgeben.“, sagt Technikchef Robert Hödicke. Objekte, die beispielsweise mit dem weit verbreiteten Modellierungsprogramm „Maya“ erstellt wurden, können nun einfach importiert werden.

Djinni animiert zudem selbstständig die Bewegungen jeder einzelnen Figur. Damit die Aktionen realistisch wirken, hat Wonderlamp Industries eine Bibliothek aus Hunderten Elementen wie „aufstehen“, „hinsetzen“ oder „gestikulieren“ angelegt. Dazu hat das Team die Bewegungen eines Schauspielers per Motion Capture abgefilmt und digitalisiert. Diese Bausteine fügt Djinni zu ganzen Bewegungsabfolgen zusammen.

Nächstes Jahr soll die Beta-Version von Djinni auf den Markt kommen, 2015 die fertige Fassung. Zunächst sollen mit ihr einfache Kinderserien animiert werden. Das Fernziel ist ein grafisches Niveau wie bei „Star Wars – The Clone Wars“. Zielgruppe sind rund 1500 TV-Studios weltweit. (grh)